Abschied von Dr. Ingrid Olbricht als langjährige Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung der Wicker-Klinik Bad Wildungen.von Dr. med. G. Fröhlich - Gildhoff Chefärztin | | Foto: Dr. Ingrid Olbricht (li.) |
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Zum 30.09.2000 hat Frau Dr. Ingrid Olbricht nach über 21-jähriger Tätigkeit ihr aktives Arbeitsleben als Chefärztin der Wicker-Klinik beendet. Aus diesem Anlass möchte ich einen kurzen Rückblick auf ihr außerordentlich erfolgreiches und engagiertes Berufsleben geben. Frau Dr. Olbricht beendete 1972 ihr Medizinstudium an der Philipps-Universität in Marburg und schloss 1979 die Ausbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Universitätsnervenklinik in Marburg ab. Am 01.03.1979 begann sie ihre Tätigkeit als Oberärztin in der Psychosomatischen Abteilung der Wicker-Klinik Bad Wildungen. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Chefarztes, Herrn Dr. Dehne, wurde sie vier Wochen später zunächst die kommissarische Leiterin der Abteilung und am 01.07.1979 Chefärztin. Die Abteilung hatte damals 60 Betten, Sie wurde in der Folgezeit von Frau Dr. Olbricht zu einer leistungsfähigen Psychosomatischen Abteilung mit inzwischen 120 Betten ausgebaut. Aus der beständigen Einbindung in die praktische Arbeit mit Patientinnen und Patienten und den daraus gemachten Erfahrungen gab sie 1987 den wesentlichen Anstoß zur Einrichtung einer Therapiegruppe für sexuell traumatisierte Patientinnen. So wurde unsere erste Indikationsgruppe geboren. Seit langem ist in unserer Abteilung die psychotherapeutische Arbeit in Indikationsgruppen ein Selbstverständnis geworden, da es aus unserer Erfahrung die Therapie fokussieren hilft und damit auch effizienter macht. Seit 1987 wurden in der Abteilung außer der Therapiegruppe für sexuell traumatisierte Patientinnen Indikationsgruppen für folgende Behandlungsschwerpunkte eingerichtet: Essstörungen, Angst- und chronifizierte Schmerzzustände, Arbeits- und Berufsstörungen, Erkrankungen im Bereich gynäkologischer Psychosomatik und eine Therapiegruppe für primär oder sekundär traumatisierte Männer. Dass das Konzept der geschlechtshomogenen und/oder indikationsspezifischen Gruppen mittlerweile auch von anderen Fachabteilungen übernommen wird, bestätigt sicherlich die Sinnhaftigkeit und Effizienz dieses Therapieansatzes. Außer der Freude an der Erstellung neuer Therapiekonzepte und dem Mut, dem Durchhaltevermögen diese auch umzusetzen, möchte ich an dieser Stelle noch das besondere Engagement im Bereich von Veröffentlichungen und Vortragstätigkeit erwähnen: Frau Dr. Olbricht hat mittlerweile vier Bücher geschrieben, ein fünftes ist in Arbeit, ist bei 11 Büchern Mitherausgeberin und Mitautorin, bei weiteren 14 Mitautorin und sie hat fast 40 Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Zahl der öffentlichen Vorträge, Fort- und Weiterbildungen und abgehaltene Seminare konnte ich leider nicht ermitteln, es werden sicherlich weit über 300 sein. 1985 gründete Frau Dr. Olbricht mit einigen WeggefährtInnen die Wildunger Arbeitstage für Psychotherapie (WAP), eine inzwischen gut etablierte Psychotherapietagung, die seitdem alljährlich stattfindet. 1993 initiierte Frau Dr. Olbricht den nächsten Verein, sie war Gründungsmitglied und einige Jahre im Vorstand des Arbeitskreises Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF). Der AKF hat mittlerweile bundesweit regionale Arbeitsgruppen und eine Jahrestagung. Frau Dr. Olbricht war über viele Jahre als Ermächtigte und Dozentin im Zwestener Weiterbildungskreis tätig. Sowohl im Weiterbildungskreis als auch in der abteilungsinternen Aus- und Fortbildung von Assistentinnen und Assistenten vermittelte sie ihr Verständnis von praxisnaher patientInnenorientierter Psychotherapie, das besonders in achtungsvollem Umgang mit Patientinnen und Patienten und den Respekt vor deren Leidengeschichten und -wegen beinhaltet. Ich habe am 01.10.2000, nach achtjähriger Tätigkeit als Oberärztin der Abteilung die Nachfolge von Frau Dr. Olbricht angetreten. Ich möchte ihr an dieser Stelle noch einmal danken, für alles, was sie für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Abteilung als Ganzes getan hat. Ich wünsche ihr im Namen der Abteilung für den nächsten Lebensabschnitt alles Gute, viel Gesundheit und vor allem viel Lebensfreude und bin schon neugierig, welche Ideen, Veröffentlichungen und Projekte demnächst aus Wenzigerode das Licht der Welt erblicken werden.
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