Neue Initiativen im Bereich Qualitätssicherung und Evaluation der Psychosomatisch/ Psychotherapeutischen Abteilungen bzw. Kliniken der Wicker-Gruppe Von Dr. Holger Schulz Mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsreformgesetzes 1989 wurde die rechtliche Basis für eine im letzten Jahrzehnt zu beobachtende Intensivierung von Maßnahmen der Qualitätssicherung und Evaluation im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland geschaffen. Gewachsenes Qualitätsbewusstsein bei den Leistungsträgern, den Leistungserbringern und den Nutzern einerseits und die mit knapper werdenden Ressourcen verbundenen Sparzwänge anderseits sind zentrale Motive dieser Entwicklung. Maßnahmen der Qualitätssicherung und Evaluation können in einem kontinuierlichen Prozess dazu beitragen, dass Patienten eine Behandlung erhalten, die nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens für ihre Problemlage jeweils optimal ist. Sie bilden dabei aber auch eine wichtige Grundlage, um im zunehmenden Wettbewerb zwischen Anbietern von Dienstleistungen im Gesundheitswesen bestehen zu können. Vor diesem Hintergrund gelang es, die ausgewiesene Forschungsgruppe "Stationäre Psychotherapie" von Herrn Prof. Dr. Dr. Uwe Koch und Herrn Dr. Holger Schulz der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf als Kooperationspartner zu gewinnen. Vereinbart wurde eine längerfristige Kooperation, die sich auf die fünf psychosomatisch / psychotherapeutischen Abteilungen bzw. Kliniken der Wicker-Gruppe bezieht und die die bisherigen Aktivitäten zum Qualitätsmanagement ergänzt und erweitert. Die Hamburger Forschungsgruppe arbeitet seit vielen Jahren an der Entwicklung und Umsetzung des Qualitätssicherungsprogramms der Rentenversicherungsträger für den Bereich der stationären psychosomatischen Rehabilitation und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Konzeptentwicklung und Evaluation von sehr unterschiedlichen stationären psychotherapeutischen Behandlungsprogrammen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme im Rahmen einer Begehung der Kliniken durch die Hamburger Forscher wurden in gemeinsamen Konferenzen der Leitungsgremien der Kliniken, der Geschäftsführung und der Forschungsgruppe die ersten Arbeitsschritte des gemeinsamen Programms zur externen Qualitätssicherung und Evaluation erarbeitet. Einigkeit bestand über die Notwendigkeit der Etablierung eines einheitlichen Basisdokumentationssystems. Da die bisher in der stationären Psychosomatik eingesetzten Dokumentationssysteme in einigen Bereichen wichtige Aspekte der psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung nur unzureichend berücksichtigen, wurde vereinbart, diese Systeme durch neuentwickelte Module zu ergänzen. Zusätzlich zur Basisdokumentation wurde beschlossen, künftig routinemäßig bestimmte standardisierte psychometrische Instrumente jeweils zu Behandlungsbeginn und zu Behandlungsende von allen PatientInnen ausfüllen zu lassen. Ziel einer Basisdokumentation und der eingesetzten Fragebögen ist es die Ausgangssituation der PatientInnen systematisch zu erfassen und die Vielfalt der erbrachter psychotherapeutischer Leistungen, sowie die bei Therapieende erreichten Erfolge zu dokumentieren. Im weiteren wurde die Einführung einer Routinekatamnese beschlossen, welche die Stabilität von Behandlungserfolgen in den Wicker-Kliniken überprüfen soll. Hierbei sind sowohl Bereiche der psychischen und körperlichen Beschwerden, der Lebensqualität als auch Fragen der rückblickenden Zufriedenheit der Patienten mit der Behandlung Inhalt der Untersuchung. Dabei kann differenziert geprüft werden, welche Patientengruppen besonders von den Behandlungen profitieren und an welchen Stellen gegebenenfalls Optimierungsbedarf besteht. Im Zuge dessen kann den zuweisenden Ärzten, den Kostenträgern und den Patienten gegenüber auf wissenschaftlicher Grundlage die bereits heute vorhandene Qualität der Behandlungsangebote dokumentiert werden. Zusätzlich stellt dies auch eine Möglichkeit der Rückmeldung über die Qualität der geleisteten Arbeit an die behandelnden therapeutischen Teams dar. Darüber hinaus wird durch die Einführung gemeinsamer Dokumentationsstandards in den psychosomatisch-psychotherapeutischen Abteilungen der Wicker-Kliniken den gesundheitspolitischen Forderungen nach interner Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement Rechnung getragen und die Voraussetzung für eine regelmäßige Berichtserstattung geschaffen. Als Ausdruck des Interesses an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des therapeutischen Angebots wurden von den Beteiligten beschlossen, verstärkt anwendungsnahe Forschungsaktivitäten im Klinikverbund voranzutreiben. Nach einem intensiven Diskussionsprozess wurde vereinbart, zunächst mit der Bearbeitung zweier Themen zu beginnen. Das erste Projekt (Therapieziele in der Psychosomatik) prüft, ob durch klare Therapiezieldefinition zu Behandlungsbeginn und durch die Auswahl mit ihr korrespondierender Maßnahmen der Behandlungserfolg optimiert werden kann. Im zweiten Vorhaben sollen die besonderen Behandlungsanforderungen für Patienten mit langen AU-Zeiten und EU-Berentungen untersucht werden. Beide Vorhaben sollen im Frühjahr 2001 begonnen werden. Ergänzend ist geplant, verstärkt Veranstaltungen zur Mitarbeiterqualifizierung und zur Förderung des Austauschs von Wissenschaft und Praxis im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen und Symposien zu schaffen und dabei die Erfahrungen und Ergebnisse aus der Kooperation mit der Hamburger Forschungsgruppe, in der neben Uwe Koch und Holger Schulz die Diplom-Psychologen Jörg Dirmaier und Timo Harfst mitarbeiten, zu nutzen.
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