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Würde, Wertschätzung und Wicker

Die Suche nach „Würde“ und „Wertschätzung“

Brigitte Weber - Für größere Ansicht bitte auf das Foto klicken.von Brigitte Weber

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“. So lautet es im Grundgesetz und auch Ihnen wird das als Erstes einfallen, wenn ich Sie nach einer Assoziation zu „Würde“ fragte. Assoziationen sind gut, doch wie lässt sich dieses viel genutzte Wort denn interpretieren?

Ein Blick in das philosophische Wörterbuch zeigt mir eine Definition nach aristotelischem Gedankengut. „...nach Schiller der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung: Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft ist Geistesfreiheit, und Würde heißt ihr Ausdruck in der Erscheinung... In der Gegenwart ist die Würde Ausdruck für Persönlichkeitswerte des Menschen, die nur von wenigen verwirklicht werden.“ Diese Interpretation kennen wir im Zusammenhang mit dem Wort „Würdenträger“.
Aber ist es das, was gemeint ist, wenn wir in der Wicker`schen Unternehmensphilosophie lesen. „Der Patient steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Er erfährt eine würdevolle Behandlung. Die Angehörigen beziehen wir dabei ein.“? Ich glaube eher nicht!

Also weiter zum nächsten Versuch: Der Duden. Aha, da scheine ich der Sache doch schon näher zu kommen! „Würde: Achtung gebietender Wert, der einem Menschen innewohnt.. / Würdig: voller Würde, achtungsgebietend, der Ehrung wert / Würdigen: ehren, anerkennen, für wert halten.“

Zusammengeführt bedeutet dies: Jeder Mensch ist als Mensch zu achten und wertzuschätzen und zwar nicht in dem Sinne, dass er volkswirtschaftlich (Steuern) oder betriebswirtschaftlich (seine Arbeitskraft, seine Produktivität) einen Wert besitzt. Die hier gemeinte Wertschätzung lässt diese materielle Bewertungen, aber auch Hierarchien, Standesdünkel, Nationalitäten etc. hinter sich!

Betrachten wir die Realität, so sehen wir, wie wenig dieser würdige und wertschätzende Ansatz gelebt wird! Um so mehr sollten wir uns freuen, wenn sich ein Unternehmen wie die Wicker-Kliniken dafür entschieden hat, das - vielleicht von vielen als altbacken bezeichnete - Wort „Würde“ wieder in die Diskussion einzubringen. Nicht nur im Umgang mit dem Patienten und dessen Angehörigen, sondern auch für das Miteinander aller in der Klinik Arbeitenden.

Es gehört Mut dazu, sich einem solchen Anspruch zu stellen!

Und was tut sich bei Wicker?

Schwierig ist es, diesen ethischen Wert, der der Maßstab aller Handlungen sein soll, umzusetzen und zu leben. Welches Handeln ist erforderlich? Was heißt das für ein Unternehmen wie Wicker?

Als Beraterin und Seminarleiterin für Unternehmenskommunikation frage ich in den Seminaren bei Wicker häufig, was die Teilnehmer denn unter Würde und Wertschätzung verstehen. Es sind Antworten wie Respekt, Achtung, Höflichkeit, den Kranken als vollwertigen Menschen behandeln die genannt werden. Und: Ein Umfeld schaffen, das ihm Wertschätzung entgegenbringt und nicht seinen Geldwert errechnet, sondern seinen Wert als Menschen, frei von dem was er „bringt“.

Und damit liegen die TeilnehmerInnen sehr richtig! Ohne dass es Ihnen bewusst ist, haben sie sich auf philosophisches aber auch auf unternehmensphilosophisches Terrain begeben... Denn: Eine respektvoller Umgang mit dem Patienten kann nur in einer wertschätzenden Umgebung gelebt werden.

Eine solche Atmosphäre zu schaffen ist nicht einfach, denn da gibt es Zielkonflikte: Ein würdevoller Umgang mit Menschen steht in starkem Zielkonflikt zu einer kostendeckenden Einsatzplanung von Arbeitskräften. Ein wertschätzendes Miteinander im Kontrast zu Hierarchien und Statusbewusstsein.

Dennoch : Ich sehe die Wicker-Kliniken auf gutem Wege, diese Zielkonflikte zu meistern. Sicher, mein Blick ist nicht der des Patienten, sondern eher der des mittelbar Betroffenen und des aufmerksamen Beobachters, also mehr die Sichtweise des Analytikers. Auch kenne ich nicht Alle und Alles, sondern eher die „im Stillen“ wirkenden Menschen und Abteilungen, wie Service, Stationssekretariate, Rezeption, Empfang, Hauswirtschaft, Hausmeister und Technik...

Und ich bin Anhängerin der „wertschätzenden Unternehmensführung“, die den Ansatz der positiven Betrachtungsweise hat. Daher will ich hier auf die positiven Dinge, die „Juwelen“, meiner Erfahrungen in den unterschiedlichsten Wicker-Standorten eingehen.

Ich sehe:

  • Menschen, die über ihren eigenen Arbeitsbereich hinweg Informationen austauschen und sich bereichsübergreifend in ihrer Kompetenz schätzen
  • Menschen, die wissen, dass alle gleich wichtig sind, um ein die Gesundheit förderndes Umfeld zu schaffen
  • Menschen, die anerkennende Worte füreinander übrig haben
  • Menschen, die direkt, offen und über die Klinikhierarchien hinweg miteinander kommunizieren
  • Menschen, die sich gegenseitig im Team unterstützen
  • Menschen, die sich es nicht nehmen lassen, jeden mit seinem Namen ansprechen zu können
  • Menschen, die (einander) zuhören und trösten
  • Menschen, die sich die Zeit nehmen auch über Kommunikationsbarrieren hinweg miteinander zu reden also
  • Menschen, die sich Zeit nehmen, den Anderen in seiner Individualität und Einzigartigkeit zu begreifen, den Patienten ebenso wie den Kollegen.

Es ist wohltuend, eine solche Atmosphäre zu erleben. Mehr davon ist wünschenswert - überall!

www.brigitte-weber.de
weber@brigitte-weber.de


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