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Wicker Magazin
6. Ausgabe - Januar bis Juni 2002
 Inhalt der 6. Ausgabe

 

 

 

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Pflegeplanung in der Psychotherapie

Wie kam es zu diesem Seminar?

Bereits im Jahr 2000 erarbeiteten elf Pflegende der Hardtwaldklinik II im Rahmen eines Seminars die Leitziele der Pflege und fügten diese in einem Pflegeleitbild zusammen. Dieses wurde im August 2000 verabschiedet. Seither dient es, als Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen und ist Grundlage zur Festlegung von Qualitätsmerkmalen pflegerischer Tätigkeiten. Das Seminar wirkte sich sehr positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus. Daraus erwuchs die Motivation ein Folgeseminar zum Thema Pflegeplanung in den Fachbereichen Psychotherapie und Psychosomatik durchzuführen. Dieses Seminar fand mit folgender Zielsetzung am 16. und 17. August 2001 in Willingen statt:

  • Herstellung einer Synapse zwischen Pflegeleitbild und Pflegeplanung,
  • Kritische Auseinandersetzung mit Pflegeplanung,
  • Lösungsansätze unter Beteiligung der Pflegepraktiker erarbeiten,
  • Klinikübergreifenden Austausch fördern, um Synergieeffekte zu nutzen und
  • Auswahlkriterien diskutieren und ggf. zu definieren, um fundiert entscheiden zu können, inwieweit eine Pflegeplanung durchgeführt wird oder nicht.

Die Seminarankündigung erfolgte im Mai 2001 im Rahmen eines Arbeitsgruppentreffens der Pflegedienstleitungen der Wicker-Gruppe. Insgesamt nahmen 19 MitarbeiterInnen aus verschiedenen Wicker-Kliniken teil. Sie attestierten am Ende der Veranstaltung ein gelungenes Seminar, was allerdings ohne die Unterstützung der Klinikleitungen und der Geschäftsführung nicht möglich gewesen wäre. Im Namen der Teilnehmerinnen möchte ich mich hier herzlich für die Unterstützung bedanken.

Ralf Kadel, HWK II

Was versteht man unter Pflegeplanung nach dem Pflegeprozess?
Abb. 1 Regelkreismodell des Pflegeprozesses
Abb. Regelkreismodell des Pflegeprozesses

Ziel der Krankenpflege ist die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit von Körper, Geist und Seele in Form von Hilfe zur Selbsthilfe. Für uns Pflegende ist damit ein dynamischer, zwischenmenschlicher Prozess verbunden, der uns dauernd auf allen Ebenen fordert. Um einer ganzheitlich individuellen Begleitung unserer Patienten gerecht zu werden, bedarf es einer Patientenorientierten und gezielten Pflege. Hier steht uns als wichtigstes Instrument die Pflegeplanung zur Verfügung. Zu ihrer Durchführung können wir uns der wissenschaftlich anerkannten und durchführbaren Denkstrategie des Pflegeprozesses, siehe Abb. 1, bedienen. Der Pflegeprozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine realistische Problemlösung ausgerichtet sind. Er enthält einen Rückkopplungseffekt in Form von Beurteilung und Neuanpassung. Wird das gesetzte Ziel erreicht, so ist der Vorgang abgeschlossen. Treten jedoch Abweichungen vom gesetzten Ziel auf oder fallen neue Probleme an, so beginnt der Prozess von neuem. Es gilt Informationen zu sammeln, Ziele neu zu formulieren und entsprechend angepasste Maßnahmen durchzuführen. Damit gewährleistet geplante Pflege eine kontinuierliche fortschreitende Begleitung eines jeden Patienten!

Sylvia Zimmer, HWK II

Warum Pflegeplanung?

Wenn man der Pflege, wie in unserem Pflegeleitbild, ein humanistisches Menschenbild zu Grunde legt, entsteht die Forderung nach einer Pflege, die gemeinsam mit dem Patienten auf dessen Bedürfnisse abgestimmt ist. Die Umsetzung in die Praxis kann nur gewährleistet werden, wenn dies nicht nur rein intuitiv von jeder einzelnen Pflegekraft erbracht wird. Auch die Individualität der einzelnen Mitglieder eines Pflegeteams muss berücksichtigt werden, die von sich aus schon Abweichungen in der Einschätzung der Patientenbedürfnisse mit sich bringt. Nur wenn diese Unterschiede anhand einer niedergeschriebenen Pflegeplanung im Pflegeteam kommuniziert und zu einer möglichst ganzheitlichen Sicht zusammengeführt werden können, ist eine optimale Pflege möglich. Ohne Pflegeplanung bleiben aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Aufwendungen für die zu erbringenden Arbeiten weitgehend unkalkulierbar und führen möglicherweise zu Versorgungsengpässen. Der Gesetzgeber stellt mittels Rechtsvorschriften Anforderungen an die Pflege, die eine umfassende Planung und Organisierung der Pflege notwendig machen. So ist z.B. die Forderung nach einer Pflegeplanung explizit in § 4 des Krankenpflegegesetzes vorhanden. Implizit finden wir sie in § 70 Sozialgesetzbuch V (SGB V), in dem festgeschrieben ist, dass die Versorgung der Versicherten ausreichend und zweckmäßig sein muss, das Maß des notwendigen nicht überschreiten darf und in der fachlich gebotenen Qualität sowie wirtschaftlich erbracht werden muss. Eine Nachweisführung scheint hier nur mittels einer Pflegeplanung nach den Schritten des Pflegeprozesses möglich zu sein. Dem Qualitätsmanagementaspekt wird mit der Pflegeplanung genüge getan, da ein strukturiertes Vorgehen entlang der Schritte des Pflegeprozesses von sich aus einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess mit sich bringt. Nicht zuletzt wollen wir mit einer Pflegeplanung unserem Pflegeleitbild gerecht werden und seine Ideale, wie z. B. eine ganzheitliche, humanistische Sichtweise, eine initiative und verantwortungsvolle Pflege unter wirtschaftlicher und umweltbewusster Durchführung, zum Erfolg unserer Berufsgruppe und des Unternehmens lebendig, sichtbar und spürbar werden lassen.

Gisela Göbel, HWK II

Seminareindrücke
Foto: Seminarteilnehmer
Ausführliche Namen in
der vergrößerten Ansicht

Donnerstag 16. August 2001: Statt morgens zum Dienst in die Klinik zu fahren, fahren wir an diesem Tag nach Willingen ins Kurhotel 2010 zum Pflegeseminar, Thema " Pflegeplanung". Seminarbeginn ist mit gemeinsamen Frühstück um 9.00 Uhr. Schön, die eigenen Kollegen mal in einer ganz anderen Umgebung zu treffen, schön, auch Kolleginnen aus anderen Wicker-Kliniken kennen zulernen. Sommerhitze, Temperaturen um 30 Grad. Wir schwitzen schon ohne Bewegung und fragen uns, wie wir die nötige Konzentration aufbringen sollen, und der Zeitplan ist auch sehr straff. Aber die Bedenken sind unnötig! Herr Kadel macht es uns leicht, den Einstieg zu finden und führt uns, unterstützt von Frau Riethmüller, (fast) mühelos an alle Aspekte des Themas heran. Zum Einsatz kommen dabei Vorträge, Kleingruppenarbeit mit Darstellung des Erarbeiteten, Rollenspiele, Diskussionen u. v. m.. Der gute Service des Hauses, das gute Essen, kalte Getränke, Arm- und Fußbäder in der Kneippabteilung, wirkte unterstützend. Am Ende des ersten Tages sind auch die Skeptikerinnen unter uns überzeugt, dass Pflegeplanung auch und gerade in der Psychosomatik Sinn macht. Am Ende des Seminars wünschen wir uns alle, das Erarbeitete gleich in die Praxis umzusetzen. Zufrieden und sehr motiviert treten wir den Heimweg an.

Petra Röske, HWK I

www.hardtwaldklinik1.de
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