Siegeszug der Chemotherapie
von Prof. Dr. Dr. E. H. Graul
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Anmerkung
Diese Arbeit ist eine Einführung in das Thema "Krebstherapie - gestern, heute und morgen". Eine ausführliche Darstellung mit Zukunftsaspekten.Der Autor, Prof. Dr. Dr. E. H. Graul, ist seit 1948 onkologisch tätig. Er entwickelte zusammen mit Siemens-Reiniger die moderne Weichstrahltherapie zur Behandlung von Hauttumoren mit hervorragenden kosmetischen Resultaten.
In diese Zeit fällt auch die erste Chemotherapie von bösartigen Tumoren mit Stickstoff-Lost.
In den 60er Jahren gründete er das Tumorzentrum Marburg-Giessen und übernahm die wissenschaftliche Leitung.
In den letzten Jahrzehnten lag das Schwergewicht seiner onkologischen Arbeiten auf diagnostischen Gebieten (z. B. PET.)
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Vorbemerkungen
Es ist ein schwieriges Unterfangen, das Krebsproblem wegen des immensen Umfanges und der Komplexität des Themas darzustellen, auch wenn eigene experimentelle und klinische Erfahrungen vorliegen. Als Wissenschaftsjournalist und onkologisch tätiger Arzt konnte ich die exponentielle Entwicklung in der Forschung und Behandlung krebskranker Patienten miterleben. Die Ergebnisse dieser frühen Forschung auf dem Gebiet der Krebstherapie, der Radiobiologie, der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin, der Immunologie, der Molekularbiologie und der Chemotherapie konnten die angewandte Krebsforschung prägen und zu den heutigen Erfolgen beitragen.
Krebs ist als letzte große Seuche der Menschheit apostrophiert worden. Während um 1900 in der Bevölkerung unserer technisch zivilisatorischen Welt die Tuberkulose noch an erster Stelle der Todesursachen stand und der Krebs erst an 8.Stelle der Todesstatistik platziert war, nimmt heute nach der amerikanischen Statistik der Krebs nach den Herz- und Kreislauferkrankungen bereits den 2.Platz unter den Todesursachen ein.
"Krebs"-Definition
Neoplasien sind Gewebsneubildungen. Wir unterscheiden gutartige und bösartige Geschwülste, Tumoren.
Nicht immer ist die Unterscheidung zwischen benignen und malignen Tumoren sprachlich klar definiert und eindeutig. Manchmal differiert die Etikettierung je nach Standort. Was für den Pathologen unter "gutartig" eingestuft wird, ist aus klinischer Sicht bereits "bösartig", z. B. bei dem Meningiom.
Infiltratives Wachstum und Metastasierung sind Kardinalkriterien der Malignität. Weiterhin ist der Malignitätsgrad auch noch von anderen Parametern wie Differenzierungsgrad des Tumors, Wechselwirkungen mit dem Organismus (immunologische Abwehrlage, Alter des Tumorpatienten) u.a.m. abhängig. Die Formulierung, es gibt keine Krankheiten, sondern nur kranke Menschen, gilt auch c.g.s. für die Krebskranken.
Kurz nach dem 2.Weltkrieg standen für die Behandlung gutartiger und bösartiger Hauttumoren im wesentlichen Operation (Stahl) und Röntgenbestrahlung (Strahl) zur Verfügung.
Ende der 40er Jahre ist neben den oben genannten Behandlungsmethoden als dritte Säule die Chemotherapie hinzugekommen.
Modellhaft habe ich die Chemotherapie des Krebses sowohl experimentell als auch klinisch in der Cyclophosphamid-Forschung bearbeitet. Ausgehend von der Synthese des radioaktiv markierten Endoxans, wobei neue Syntheseschritte entwickelt werden mussten, bis zur klinischen Anwendung des Cyclophosphamid und seiner Derivate. Wir glaubten damals mit anderen Krebsforschern, dass es möglich sein müsste, Zytostatika zu entwickeln, die sich möglichst selektiv im Tumor anreichern. Bald jedoch mussten wir enttäuscht feststellen, dass sich das radioaktiv markierte Cyclophosphamid nicht in nennenswerten Mengen im Tumorgewebe anreicherte, von einer selektiven Anreicherung konnte überhaupt keine Rede sein.
Die spezifische Aktivität im gesunden Gewebe und vor allem in der Leber lag wesentlich höher als im Tumorgewebe. Wir konnten nachweisen, dass erst durch die sog. Giftung des Cyclophosphamids in der Leber Metabolite entstanden, die als wirksames Agens identifiziert werden konnten.
Aus dieser Erkenntnis heraus wurden neue Präparate wie Iphosphamid und Trophosphamid entwickelt. Dadurch konnte die Wirkspezifität erhöht und die Nebenwirkungen reduziert werden. Die Chemotherapie mit Zytostatika im Sinne der Therapia magna sterilisans Paul Ehrlichs ist aber heute noch eine Utopie. Der Grund hierfür liegt letzten Endes in dem geringen genetischen und biochemischen Unterschied zwischen Tumorzelle und normaler Zelle des Organismus.
Das Thema einer Chemotherapie des Krebses muss differenzierter betrachtet werden. Es gibt nicht die Tumorzelle. Heute stehen uns chemische Substanzen mit den verschiedensten molekular-biologischen Angriffspunkten zur Verfügung, die es ermöglichen, maligne Erkrankungen zu heilen oder wenigstens in Remission zu bringen, so dass die Überlebenszeit der Patienten verlängert werden kann.
Eine weitere Gruppe maligner Erkrankungen spricht zwar auf eine Chemotherapie im Sinne einer Remission an, aber die Überlebenszeit der Patienten wird nicht verlängert. Sie repräsentieren 31 % aller Tumorpatienten bzw. 42 % aller Tumortodesfälle.
Gute Resultate bei der Chemotherapie verdankt man den einzelnen Stoffgruppen, den Alkylantien, Antimetaboliten, Vincaalkaloiden, Antibiotika, Enzymen und Hormonen. Man hat in den letzten Jahren gelernt, mit diesen Substanzen besser umzugehen und durch sinnvolle Kombination die Wirksamkeit zu verbessern. Überblickt man die Erfolge in der Krebstherapie der letzten 30 Jahre und der modernen Krebsforschung, so kann man sehr positiv in die Zukunft blicken. Hierzu werden Immunologie und andere neue Gebiete wesentliche Beiträge leisten.
Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt
Bevor mit der Therapie begonnen werden kann, muß geklärt sein, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist.
Die in den letzten Jahrzehnten entwickelten modernen bildgebenden Verfahren (Imaging Diagnostics) wie Ultraschalldiagnostik, Computerdiagnostik (CT), Kernspintomographie und last but not least PET (Positronen-Emissions-Tomographie) ermöglichen heute im Körper der Patienten verdächtige Krebsherde und Metastasen nachzuweisen. Durch gezielte Punktion kann histologisch geklärt werden, wie das weitere therapeutische Vorgehen aussehen soll (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Kombinationstherapie.)
Am Beispiel unserer Patientin wurde leider erst durch eine PET-Untersuchung die ausgedehnte Metastasierung nachgewiesen, nachdem sie wegen eines Ovarialkarzinoms radikal operiert und chemotherapiert wurde. Ein Beispiel, dass präoperative Diagnostik nicht ausgeschöpft wurde.
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Coronal |
Transaxial |
Sagittal |
CEA-Anstieg bei normalem CA 12-5. Eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wurde angeordnet. Wir finden bei dieser Untersuchung multiple Metastasierung in allen 3 Schnittebenen. Besonders eindrucksvoll präsentieren sich die großen Lebermetastasen. (Case 37 Graul, PET- Abteilung NM. Wildungen). |
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