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Wicker Magazin
7. Ausgabe - Juli bis Dezember 2002
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Leserbriefe von PatientInnen
 

Zum Thema: Indikationsgruppe sexuell traumatisierter Frauen

Meinen ersten Kontakt mit der Indikationsgruppe hatte ich in der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten, unter der Leitung von Frau Legeler.
Ich gehöre auch zu den traumatisierten Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden. Allerdings wusste ich nicht, welche Bedeutung die Indikationsgruppe hatte. Mein Neurologe hatte mich zwar darauf hingewiesen, dass in der Hardtwaldklinik II die Thematik sexueller Missbrauch sehr intensiv bearbeitet werden kann.
Trotzdem hatte ich anfangs eine enorme innere Blockade und schob erst einmal einen Riegel vor meine Thematik. Da ich sehr depressiv war und Suizidgedanken hatte, bot mir Frau Legeler ein Gespräch an. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen ist es ihr gelungen, mich zum Thema Missbrauch zu äußern, wenn auch nur mit Gesten. So kam ich in die Indikationsgruppe, in der auch mit dem Psychodrama gearbeitet wurde. Ich habe in der Gruppe zunächst nur zugeschaut. Anders hätte ich die erste Begegnung in der Gruppe gar nicht überstanden. Ich habe dabei eine unsagbare Traurigkeit empfunden. Ich bekam Atemnot und hatte das Gefühl an meiner eigenen Geschichte zu ersticken. Ich wäre am liebsten weggelaufen. Was mir bei der ersten Begegnung sehr geholfen hat, war das gemeinsame Schicksal der Frauen. Das hat mich bestärkt durchzuhalten und an meine Wahrnehmungen zu glauben. Ich habe immer wieder gespürt, dass sich viele Frauen nur langsam an ihre Traumatisierung heranwagten oder auch gar nicht. Mir ging es anfangs auch nicht anders.

Bei jeder Begegnung in der Indikationsgruppe habe ich ständige Schmerzen in meinem Körper empfunden, sowie einen inneren Schrei, den ich nicht heraus lassen konnte. Meine Gefühlswelt war wie ein Irrgarten ohne Ausgang. Eine der schwierigsten Situationen war für mich im Psychodrama, die Konfrontation mit den Tätern. Bei mir waren es zwei. Irgendwie wollte ich meine Wut herauslassen, ich reagierte mit Tränen und Angst, ich fand kaum Worte. Durch das Rollenspiel hatte ich Gelegenheit auch andere Rollen zu übernehmen. Dadurch war ich wieder fähig meine Worte zu finden. Ich habe die Indikationsgruppe für sexuell traumatisierte Frauen zweimal in der Hardtwaldklinik II und einmal in der Osterbachklinik Bad Oeynhausen, unter der Leitung von Frau Legeler, erlebt. Die Indikationsgruppe ist eine sehr intensive Therapie. Das alles durchzuhalten war extrem schwierig für mich, aber der geschützte Rahmen in der Indikationsgruppe hat es mir möglich gemacht. Ich denke, dass auch die Art von Frau Legeler mit uns umzugehen, sehr positiv und beruhigend auf mich wirkte. Ich weiß aus Gesprächen mit den anderen Frauen, dass auch sie so empfunden haben. Trotz der harten Konfrontation mit den Tätern im Psychodrama, verstand es Frau Legeler, mir das Gefühl zu vermitteln, dass sie meine Traumatisierung mit trägt und mir ihre Hilfe gewiss war, wenn ich nicht mehr weiter konnte. Ihre verständnisvolle und offene Art, hat es mir möglich gemacht, meinen Missbrauch Stück für Stück zu durchleben und zu verarbeiten. Ich weiß im nachhinein, dass all meine schmerzlichen Empfindungen und Gefühle ihren Sinn hatten. Ich würde, wenn es erforderlich wäre, wieder in die Indikationsgruppe gehen, weil ich inzwischen weiß, dass es für mich eine sehr wertvolle Möglichkeit ist, mit meiner Traumatisierung fertig zu werden.

Ich betrachte es als einen großen Gewinn und eine Chance für missbrauchte Frauen, dass es die Indikationsgruppe sexuell traumatisierter Frauen gibt. Meinen besonderen Dank an Frau Legeler und ihr Team.


Bärchen und sein Baum

Bärchen wanderte durch den tiefen, dunklen Wald. Er hatte seine Krankheit überstanden.Wicker-Bärchen
Nun strolchte er wieder durch das Unterholz, über Wiesen und Bachläufe. Die Sonne ging zu ihrem höchsten Punkt. Langsam fühlte Bärchen die Wärme. Der Nebel verzog sich und der junge Bär fühlte die Frühlingssonne.
Da... Da? Rief da nicht jemand? Genau! Bärchen-Bärchen-Bärchen rief da jemand.
Bärchen sah sich um, konnte aber niemanden entdecken, nur einen alten, knorrigen Baum.
Bärchen ging auf den Baum zu. Er spürte ein Gefühl von Vertrautheit. Er nahm den Baum in seine kleinen Arme, und fühlte die Wärme die von dem Holz ausging. Er fühlte die Rinde, rubbelig, schroff, aber irgendwie schön. Der junge Bär setzte sich auf den Boden in das weiche Gras. Er lehnte mit dem Rücken am Baum und machte die Augen zu. Es war alles vertraut und kam ihm bekannt vor. Bärchen fühlte sich gut, er und der Baum, sein Freund.
Bärchen machte seinen Gedanken freien Raum, jetzt könnte er träumen.
Als Bärchen nach einiger Zeit nach Hause ging, verabschiedete er sich von dem Baum, seinem Freund und versprach zurück zu kommen.
Bärchen war der Meinung, der Baum würde ihm mit seinen Blättern und Ästen winken.
Mach es gut junger Bär, mach es gut.

Auszug aus einer Patientenzuschrift vom 03.12.2001 zu dem
Gewinnspiel aus dem 6. Wicker-Magazin "Wie soll der Bär heißen?"

Ich finde, der kleine Bär sollte Wicki heißen, weil die Wicker-Kliniken und die Menschen, die dort arbeiten auch immer einen Rat wissen, wenn man selbst in Not ist.
In der Klinik am Osterbach, in Frau Legelers Abteilung konnte mir sehr geholfen werden.
Da gab es viele Wicki`s.
Als ich klein war, habe ich so gerne die Kindersendung Wicki, der Wikinger im Fernsehen angeschaut. Wicki war ein kleiner Kerl, der immer einen Ausweg gefunden hat wenn andere nicht wussten, wie es weitergeht.


Namen sind der Redaktion bekannt.

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