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von Prof. Dr. med. D. Sauerwein
Die Klinik für Neuro-Urologie der Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen hat deutschlandweit und international einen hervorragenden Ruf.
Sir Ludwig Guttmann aus Großbritannien stand 1979 Pate, als in der Werner-Wicker-Klinik eine eigenständige urologische Abteilung entstand. Das bedeutete von Anfang an die Überwindung fachspezifischer Grenzen und die Entwicklung eines Gesamkonzeptes mit Einbindung rehabilitativer Elemente zur Behandlung querschnittgelähmter PatientInnen.
Partizipierte man noch in ersten Jahren des Bestehens von den Erfahrungen anderer internationaler Einrichtungen, so begann 1986 eine neue Ära. Ausgangspunkt war der Gedanke, dass bei Vorliegen neuro-urologischer Funktionsstörungen andere diagnostische und therapeutische Methoden entwickelt werden müssen, als üblicherweise in der Urologie angewandt. Prof. E. Tanagho aus San Francisco und Professor G.S.Brindley aus London gaben die entscheidenden Impulse, auf deren Basis in Bad Wildungen ein neues Verfahren zur Therapie spastischer Blasenlähmungen entwickelt wurde: die sacrale Deafferentation und Implantation eines Vorderwurzelstimulators. Diese Methode gilt als eines der sichersten Verfahren zur Behandlung der spastischen Blasenlähmung. Von 1986 bis heute sind über 450 Patienten mit dieser Methode operiert worden und gewannen dadurch eine neue Lebensqualität.
Die Klinik ist darauf ausgerichtet, frischverletzte und chronisch querschnittgelähmte Patienten fachübergreifend, in Zusammenarbeit mit der Querschnitt-Orthopädie, der Wirbelsäulenchirurgie und der Neuro-Chirurgie, zu behandeln. Wichtig ist, die komplexen Risiken solcher Erkrankungen zu erkennen und ganzheitlich zu behandeln.
Es gehört zur Philosophie der Klinik für Neuro-Urologie, alle MitarbeiterInnen in Weiterentwicklungen einzubeziehen, so dass von vornherein eine fach- und disziplinübergreifende Kompetenz gewährleistet ist.
Funktionsstörungen der Harnblase stehen bei neurologischen Erkrankungen nie isoliert. Immer sind Nierenfunktionsverluste und Schäden des Genitaltraktes auszuschließen, immer auch die orthopädischen und neurologischen Probleme mit zu berücksichtigen. Nicht nur chronisch gelähmte sondern auch PatientInnen mit unklaren urologischen Funktionsstörungen profitieren von diesem Vorgehen (wie z. B. bei Spina bifida, Multipler Sklerose, Postpolio-Syndrom, Morbus Parkinson, Schädel-Hirnverletzungen, Schlaganfälle, ALS, Fehlbildungen des Rückenmarks und des Beckens).
Zur Diagnostik stehen vier moderne urodynamische Untersuchungsplätze zur Verfügung, zwei davon kombiniert mit einer digitalen Röntgeneinrichtung, alle selbstverständlich vernetzt und digital abrufbar. Überdurchschnittliches Engagement und ein besonderes Maß an Kompetenz der MitarbeiterInnen gewährleistet eine zügige und qualitätsgerechte Diagnostik.
Der Klinik für Neuro-Urologie angeschlossen ist ein bakteriologisches Labor, das auf Besonderheiten der PatientInnen mit neurologischen Störungen des Urogenitaltraktes eingerichtet ist. Das Labor verfügt über ein überdurchschnittliches Leistungsspektrum. Ein besonderes Maß an Qualifikation der MitarbeiterInnen ist der Garant für das hohe Niveau dieses außergewöhnlichen Labors.
Die Klinik für Neuro-Urologie verfügt über 40 Betten für PatientInnen mit Lähmungen und gehört damit zu den größeren urologischen Abteilungen in Deutschland. Auf den beiden Stationen A2 und C2 arbeiten Pfleger und Ärzte im Klima der Kreativität und Kooperation zusammen. Die Stationsärzte, Frau Dr. Schmid und Herr Dr. Müller werden von einem erfahrenen und kompetenten Pflegeteam unterstützt.
In der Abteilung für Neuro-Urologie werden alle klassischen konservativen und operativen Verfahren bei lähmungsbedingten urologischen Erkrankungen durchgeführt. Die weltweit umfangreichsten Erfahrungen hat die Klinik für Neuro-Urologie mit der sacralen Deafferentation/ Implantation eines Vorderwurzelstimulators und der sogenannten chronischen Neuromodulation bei PatientInnen mit lähmungsbedingten Störungen des Urogenitaltraktes. Dazu kommen prothetische Versorgungen bei Harn-inkontinenz und Erektionsstörungen. Über die Ergebnisse der Behandlungen wird auf nationalen und internationalen Kongressen berichtet, die gleichzeitig dem gegenseitigen Austausch von Erfahrungen dienen. Spezialisten aus der ganzen Welt sind regelmäßig Gäste der Klinik.
Die Entwicklung und Initiierung von Neuentwicklungen ist Kernanliegen der Klinik; denn nur durch den medizinischen Fortschritt eröffnen sich neue Perspektiven für jeden Patienten.
Die Verbindung von Routine, Engagement, wissenschaftlichen Fortschritt und Patientenzuwendung ist das „Geheimnis“ dieser Klinik. Geschafft werden kann dies nur im Team - mit den PatientInnen, mit den Ärzten und mit der Pflege.
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