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Wie ein rohes Ei in der Hosentasche Arbeitstreffen zum Thema Borderline -Syndrom
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Sich zu fühlen, als ob man den ganzen Tag ein rohes Ei in der Hosentasche mit sich trägt - so könnte man das Grundgefühl der PatientInnen beschreiben, die an einem Borderline - Syndrom leiden. Um den professionellen Umgang mit diesem Syndrom ging es während des Arbeitstreffens der Gesellschaft für humanistische Pflege, welche am 18.02.03 unter Leitung von Ruth Ahrens in der Wicker - Klinik (Stammhaus) tagte, zu dem interessierte Pflegekräfte eingeladen waren. Alle 35 TeilnehmerInnen bekamen tatsächlich ein rohes Ei in die Hand, welches sie möglichst unbeschädigt durch den Tag zu lavieren hatten. So waren wir herausgefordert, unter großer Identifikation mit dem Lebensgefühl unserer PatientInnen, pflegerische Maßnahmen kennen zu lernen. Dabei ist kein einziges Ei zerbrochen! Bei einem Borderline -Syndrom handelt es sich im Wesentlichen um eine Störung der emotionalen Reaktion. Viele PatientInnen waren in früher Kindheit massiver physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt und leiden von daher bis heute an ausgeprägter emotionaler Verletzlichkeit. Sie fühlen sich bedroht, haben Angst und schreckliche Erinnerungsbilder, sehnen sich nach haltenden Beziehungen und fürchten sie zugleich. Oftmals entwickeln sie eine starke Impulsivität, werden geplagt von abgrundtiefer Verzweiflung. Sie leiden an den inneren Widersprüchlichkeiten und um diese Spannung abzubauen, verletzen sie sich selber, auch um sich im Selbsthass selber zu bestrafen. Denn wer keine Achtung erfahren hat, kann sich selbst nur schwer achten. Ruth Ahrens führte uns in das dialektisch - behaviorale Therapiekonzept Marsha Linehans ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der bewussten Gestaltung der Beziehung zwischen Pflegekraft und PatientIn. Eine dialektisch - behaviorale Zugangsweise ist die Herausforderung an uns Pflegekräfte, uns in der Beziehung zu unseren PatientInnen immer wieder neu auf einen Balanceakt einzulassen, den Spagat zwischen bedingungsloser Akzeptanz und dem Wunsch nach Veränderung der belastenden Symptome. Zunächst einmal sollen die PatientInnen spüren, dass sie mit ihrer schwierigen Symptomatik wertgeschätzt sind. Denn alle Erlebnisweisen, alle Denk- und Handlungsmuster haben ihre Berechtigung und ihren Sinn. Diesen Sinn gilt es gemeinsam ausfindig zu machen, um die Reaktionen der PatientInnen nachvollziehen zu können und in einem weiteren Schritt ihrem Bedürfnis nach Veränderung nachzukommen. Das bedeutet, zusammen mit der PatientIn alternative Problemlösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, um Spannung und Leidensdruck zu lindern. Das Pflegeteam der Abteilung Psychosomatik/ Psychotherpie dankt der Klinikleitung, insbesondere Frau Lölkes und Frau Dr. Fröhlich - Gildhoff, für die unkomplizierte Bereitstellung der Räumlichkeit und Frau Westmeier für die gute kulinarische Versorgung. Danke auch im Namen der Gesellschaft für humanistische Pflege. Esther Reglin, Krankenschwester PTH Wicker -Klinik www.wicker - klinik.de

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21.01.2006

 


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