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9. Ausgabe · Juli - Dezember 2003
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Dr. K.-H. Vornholt, Geschäftsführer der Wicker-Gruppe
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Editorial Dr. K.-H. Vornholt, Geschäftsführer der Wicker-Gruppe Liebe Leserinnen, liebe Leser, geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie im Wirrwarr der Reformen und Re-Reformen die Orientierung verlieren? Kaum jemand findet sich noch zurecht zwischen Arzneimittel-Ausgaben-Begrenzungsgesetz und Festbetrag-Anpassungsgesetz, zwischen Fallpauschalen-Gesetz und Beitragssicherungsgesetz; allesamt Regelwerke aus dem vergangenen Jahr. Lediglich Reparaturmaßnahmen und das Stopfen von Finanzierungslöchern konnte der Wirtschafts-Sachverständigenrat erkennen. Es ist eine traurige Bilanz - aber keine überraschende! In Zeiten leerer Kassen müssen Reformen vor allem für Einsparungen sorgen. Verzichtsappelle passen aber nicht ins traditionelle politische Rollenverständnis. „Wer beauftragt schon den Hauptgeschäftsführer der Tabakwarenindustrie mit einer Anti-Raucher-Kampagne?“ fragt der Politologe Hans-Peter Schwarz bissig. Niemand kann Politikern verübeln, dass sie wiedergewählt werden wollen. Peinlich achten sie darauf, die Ansprüche ihrer Klientel nicht zu gefährden. Eine Reform des Gesundheitswesens, die zu niedrigeren Beiträgen führt, ist aber ohne diesen Effekt nicht möglich: Sie bedeutet höhere Eigenbeteiligung und reduzierte Leistungen. Die demographische Entwicklung und der medizinisch-technische Fortschritt führen dazu, dass die Inanspruchnahme unseres Gesundheitswesens und die daraus resultierenden Kosten stetig steigen. Auf der anderen Seite werden unseren Sozialversicherungssystemen nicht zuletzt durch die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit mehr und mehr die Finanzierungsgrundlagen entzogen. Die gesetzliche Krankenversicherung ist traditionell wenig an den individuellen Wünschen der Versicherten ausgerichtet. Es gibt einen einheitlichen Leistungskatalog und das Mitspracherecht der Versicherten beschränkt sich im wesentlichen auf die Selbstverwaltungsgremien. Wenn aus den Versicherten ein Marktteilnehmer werden soll, der mehr Verantwortung im Sinne einer effizienten Nutzung des Gesundheitssystems übernimmt, so kann dies nicht gelingen, ohne dass er gleichzeitig auch mehr Einfluss auf den Preis und/oder die Menge der Leistungen hat. Ebenso wird der Patient auch nur dann Verantwortung übernehmen, wenn für ihn die Folgen seines Handels spürbar sind. Deswegen ist das Gesundheitssystem so zu strukturieren, dass ein hohes Maß an Gestaltungsspielraum incl. der Übernahme von Verantwortung durch die Patienten möglich wird. Mit anderen Worten: unser Gesundheitswesen bedarf einer Neuorientierung; dies bedeutet, dass unverzüglich verlässliche gesundheitsökonomische und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Auch für den Bereich der medizinischen Rehabilitation werden die Auswirkungen dieses diametral verlaufenden Prozesses spürbar. Die Massenarbeitslosigkeit führt u.a. dazu, dass die Versicherten weniger Anträge für Leistungen der medizinischen Rehabilitation stellen. Parallel hierzu erkennen wir, dass die Sozialleistungsträger die Bewilligungsquoten für Rehabilitationsleistungen aufgrund der desolaten Finanzlage reduzieren. Die Auswirkungen sind Belegungsrückgänge und Belegungsschwankungen in unseren Kliniken. Daher muss die Flexibilisierung der Arbeitszeit für uns erste Priorität haben. Ich denke, dass dies ein Anliegen aller Beteiligten zur Sicherung der Arbeitsplätze unserer qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein muss. Das Problem dürfte noch eine Verschärfung erfahren - bedingt durch die verstärkten Bemühungen der Kostenträger, medizinische Rehabilitationsleistungen vom stationären in den teilstationären/ambulanten Bereich zu verlagern. Nicht zu unterschätzen sind auch die Auswirkungen der Einführung von Fallpauschalen (DRGs) im akutstationären Bereich. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Verweildauern in den Krankenhäusern erheblich reduzieren werden, da der bisherige Anreiz entfällt, die Patienten bei tagesgleichen Pflegesätzen möglichst lange in den Kliniken zu behalten. Experten schätzen, dass ca. 30% der bisherigen Bettenkapazitäten im Akutbereich entfallen werden. Nicht auszuschließen ist, dass Krankenhäuser zur Kompensation eigene Rehabilitationsabteilungen aufbauen werden. Es muss allerdings bezweifelt werden, ob dies in dem gewünschten Umfang gelingen wird, da die entsprechenden Kompetenzen nicht vorhanden sind. Es wäre auch widersinnig, vorhandene qualifizierte Strukturen zu zerschlagen um sie in anderen Bereichen neu aufzubauen. Die Auswirkungen von Fallpauschalen bedeuten für unseren Sektor, dass wir zukünftig Patientinnen und Patienten versorgen, die bisher in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung behandelt wurden. Hierin liegt eine Chance. Voraussetzung ist allerdings, dass die dafür notwendigen personellen, räumlichen und apparativen Kapazitäten zur Verfügung stehen und für diesen Versorgungsauftrag entsprechende Vergütungen gezahlt werden. Die demographische Entwicklung führt dazu, dass eine immer größer werdende Zahl von chronisch Kranken adäquat versorgt werden muss. Die medizinische Rehabilitation hat - und dies ist durch qualifizierte Studien belegt - den Beweis angetreten, dass sie hierzu in der Lage ist. Auch dies ist perspektivisch als Chance zu bewerten. Dr. rer. pol. K.-H. Vornholt Geschäftsführer

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