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| | | Wie immer wurde das Thema der 18. Arbeitstagung des Wildunger Arbeitskreises für Psychotherapie e.V. zwei Jahre vorher von der Mitgliederversammlung beschlossen. Wenige Tage vor Beginn der Tagung wurde der 3. Golfkrieg gegen den Irak begonnen, eine zusätzliche Dynamik heftiger Gefühle, die den Verlauf der Tagung wesentlich mitbestimmte. Zuerst einmal ging es darum, was wir unter Gefühlen verstehen, die eine Kraft jenseits des verstandesmäßig Kontrollierbaren darstellen. Allerdings sind Gefühle nicht recht greifbar, katalogisierbar und definierbar. Sie lassen sich nur umschreiben oder beschreiben oder erleben und erfahren. Sie als Ressourcen zu betrachten und damit als Möglichkeit der Bewältigung von Ereignissen nutzbar zu machen, war in diesem Jahr ein besonderes Anliegen. Die Aufhebung der Spaltung zwischen Intellekt und Emotionalität als ein anzusteuerndes Ziel dieser Tagung musste relativiert werden, da in jeden Fernsehbericht, in jedem Zeitungsartikel genau diese Spaltung betrieben und beschrieben wurde und wird. Von „schlauen Bomben“ wurde gesprochen, es wurde das Bild eines sauberen Krieges suggeriert, erinnernd an eine Operation in einem sterilen Operationssaal, in dem die Operateure keinerlei Emotionen haben oder sie zumindest kontrolliert abspalten müssen. So wurde das, was an sich in Vorträgen, Kursen und Diskussionen überwunden werden sollte, nämlich die Dissoziation, auch ein notwendiger Mechanismus, um mit dem Schrecken und Horror von außen und auch dem Schrecken der dadurch angestoßenen inneren Bilder fertig zu werde. Bei allen Vortragenden wurde zudem auch die eigene Betroffenheit und der eigene Umgang mit dem Krieg und der Kriegsberichterstattung spürbar. Prof. Dr. Brigitte Dorst sprach in ihrem Einführungsvortrag die Menschen als Konsortes an und versuchte, ein Gefühl der Verbundenheit aller Menschen und aller Lebewesen in den Mittelpunkt zu stellen. Damit schlug sie auch eine kulturelle Brücke zwischen den Weltkulturschätzen des Zweistromlandes und unserer heutigen Zivilisation. Ihre Lösungsmöglichkeiten, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, war die Besinnung auf das TAO TE KIN oder auf die Botschaft der Bergpredigt, war „der Mut zur Sanftheit“. Dr. Dirk Wedekind sprang kurzfristig für den anderweitig verhinderten Prof. Dr. Gerald Huether ein. Er erklärte die neurobiologischen Vorgänge und zeigte auf, wie aus Stress Gefühle werden und wie ein gewisses Maß, aber eben nur ein begrenztes Maß, an emotionaler Beteiligung notwendig ist, um Wachstum zu fördern und die Plastizität des Hirns zu nutzen. Salutogenetische Momente schilderten Dr. Eckhard Schiffer und Dr. Luise Reddemann. Sie verdeutlichten, dass der Mensch auch im Leid die Fähigkeit behält, sich eine eigene Wirklichkeit zu schaffen, die Bewältigungsmöglichkeiten durch eigene Ressourcen wiederzuentdecken und neue hinzuzugewinnen. Frau Dr. Reddemann fasste ihre Botschaft in einem Hölderlinzitat zusammen: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“. Wir brauchen unsere eigene innere Welt des Trostes, sonst können wir den Grausamkeiten außen nicht begegnen. Dem trug die Abendveranstaltung „Mit allen Sinnen heilen - vom Beitrag der Künste zur Therapie“ Rechnung. Hier stellten Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt und Ursel Burek als Tanztherapeutin, Dr. Heidi Gidion als Literaturwissenschaftlerin, Prof. Dr. Schroeder als Musiktherapeut und Flora Gräfin von Spreti als Gestaltungstherapeutin den Beitrag der Künste und der verschiedenen kunsttherapeutischen Verfahren insgesamt im Umgang mit Krankheit und Gesundheit dar. Leider fiel der Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Strauß „Sexualität als Ressource“ aus Krankheitsgründen aus, stattdessen sprach Dr. Heidi Gidion über die Dimensionen der Eifersucht und der Bruderkriege in der Literatur. So war immer wieder direkt oder indirekt der Irak - Krieg mit ein Thema der Vortragenden. Frau Prof. Dr. Almut Sellschopp berichtete über einen Kriegszustand im Körper, nämlich der Entwicklung und Behandlung von Krebserkrankungen in der psychosomatischen Onkologie. Dipl. Psych. Gisela Ermann zeigte uns in ihrem Abendvortrag „Körper - Sprache der Gefühle“ die Möglichkeiten auf, die die therapeutische Clownsarbeit mit sich bringt. Dr. Mario Wernado sprach in seinem Vortrag über Krieg und Frieden der Geschlechter und über das mögliche Ende des Patriarchats. Flora Gräfin von Spreti beendete die Vortragsreihe mit ihrer Schilderung eines an einer Psychose erkrankten Patienten, der die inneren Gewalten durch kreatives Schaffen zum Ausdruck brachte. Gerade wegen der Präsenz des Krieges entstand auch gleichzeitig das Bedürfnis, während der Tagung Freude, Zusammenhalt und Positives zu suchen. Durch die Benennung des Krieges und seiner Folgen am Anfang und auch durch die Integrationsfähigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war eher eine Suchbewegung nach Nähe und friedvoller Solidarität miteinander zu beobachten. Auch dieses Mal wurden wieder die vermittelten Inhalte durchgängig in allen Vorträgen in einer Sprache und mit lebendigen Beispielen dargestellt, die es auch Nichtfachleuten ermöglichte, ohne Verständnisschwierigkeiten oder Langeweise zuzuhören. An den Nachmittagen wurden in zahlreichen Seminaren und Kursen Kenntnisse vermittelt oder Methoden vorgestellt, aber es gab auch die Möglichkeit, etwas für sich selbst und die eigene Lebensqualität zu tun und mitzunehmen. Dazu kam ein abwechslungsreiches Programm mit morgendlichen Chi Gong Übungen, einem mitreißenden Liederabend mit Elke Voltz und dem immer wieder beliebten „Tanzen zum Tagungsthema“, das sehr gut besucht war. Auch das liebevoll gestaltete Umfeld im Foyer des Kurhauses, das fast wieder einem Marktplatz mit verschiedenen Angeboten glich, verlockte zum Schauen und manchmal auch zum Kaufen. Die Firma ALLTON stellte mit ihren Klangobjekten Möglichkeiten vor, wie diese in Therapie und Pädagogik eingesetzt werden können. Die Instrumente konnten praktisch erprobt und erfahren werden. Die lebendigen beweglichen Folkmanis- Stoffpuppen und Tiere, die für Therapie, Entspannung und Spiel gleichermaßen geeignet sind, fanden ebenso wieder viel Interesse. Zum ersten Mal stellte Frau Heidi Hars ihre eindrucksvollen, Gefühle anregenden großen und kleinen Plastiken und Gefäße aus, wie auch der Schamane und Heilpraktiker Gad Osafo, der Gegenstände aus dem afrikanischen Kulturkreis ausstellte. Großes Interesse fand auch wieder der gut sortierte und kompetent betreute Büchertisch von Frau Schoenian, Buchhandlung Schoplick. Auch der Stand der Wicker-Klinik mit vielseitigem Informationsmaterial war durchaus ein Anziehungspunkt. Auch diese Tagung in ihrer Vielseitigkeit bei hoher wissenschaftlicher Qualität und abwechslungsreichem Programm eine Veranstaltung, die sowohl fachlich als auch emotional zu überzeugen verstand und immer wieder auch aktuelle Bezüge herstellte. Die 19. Arbeitstagung findet vom 20. bis 24. März 2004 statt. Thema: „Die Wiederentdeckung des Magischen, Intuition - Spiritualität - Weisheit“ knüpft an die enormen Erfolge von Büchern und Filmen wie Harry Potter und Herr der Ringe an, die Kultstatus erreicht haben. Dahinter wird sichtbar, was Menschen vermissen, dass es unerfüllte Sehnsüchte gibt, die nicht im Bereich des Rationalen liegen und dass es Sehnsüchte nach einer wunderbareren Welt als der unseren gibt. Mit diesen Wünschen, Defiziten und mit den Möglichkeiten ihrer Erfüllung beschäftigt sich die nächste Tagung. Für die Tagung vom 12. bis 16. März 2005 ist das Thema „Wirklichkeit zwischen Manipulation und Authentizität“ (Arbeitsthema) angedacht, die zum einen die tägliche Manipulation der Wirklichkeit durch die Medien, aber auch Realitätsbegrifflichkeiten und weltanschauliche Hintergründe zum Thema haben soll. |
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