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| Pflegende Angehörige – wer hilft denen, die Helfen? Von Dr. Gabriele Fröhlich-Gildhoff Aktuelle Situation Derzeit erhalten 1,86 Millionen Versicherte Pflegeleistungen aus der Pflegeversicherung, davon 1,31 Millionen Leistungen zur häuslichen Pflege und 550.000 Leistungen zur stationären Pflege. Bis zum Jahr 2010 ist ein Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen auf voraussichtlich 2,16 Millionen zu erwarten. Die ca. 1,4 Millionen pflegebedürftigen Personen in privaten Haushalten werden zu 78 % von Lebenspartnerinnen, Müttern, Töchtern oder Schwiegertöchtern gepflegt. Damit wird der überwiegende Teil der Pflegebedürftigen in Deutschland im familiären Umfang durch Frauen betreut und gepflegt. Mit Einführung der Pflegeversicherung 1996 sollte dieser Tatbestand sozialpolitisch gestärkt und abgesichert werden. Folgen der Pflegetätigkeit Alle vorliegenden Forschungsergebnisse verweisen darauf, dass pflegende Angehörige oft einem hohen Maß an Belastungen in
den unterschiedlichsten Lebensbereichen ausgesetzt sind und die Pflege häufig unter großen persönlichen Opfern und Einschränkungen, bis hin zur körperlichen und emotionalen Erschöpfung erbracht wird (Reichert, 2000; Scholz-Braun, 1999). So fühlen sich zwischen 79 und 85 % aller Hauptpflegepersonen eher stark bis sehr stark belastet. 80 % der Pflegenden stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Ca. die Hälfte der Pflegenden muss den Nachtschlaf wegen Hilfs- und Pflegetätigkeiten unterbrechen. Wegen der zahlreichen Belastungen pflegender Angehöriger stellen sie eine Risikogruppe dar bezüglich physischer und psychischer Beschwerden, die darüber hinaus dazu neigt, die eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Tatsächlich leidet etwa die Hälfte aller pflegenden Angehörigen unter physischen und psychischen Gesundheitsproblemen. Das Ausmaß der Beschwerden der Pflegepersonen steht in einem deutlichen Zusammenhang mit dem Grad der Belastungen (Grössel, 1996). Dreiviertel aller
pflegenden Frauen leiden häufig unter Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden, hinzukommen Herz-Kreislauf-Erkrankun-gen. Mehr als 85 % der über 60jährigen pflegenden Ehefrauen leiden an chronischen Gelenkbeschwerden. Überproportional finden wir bei pflegenden Angehörigen außerdem Symptome allgemeiner Erschöpfung, Magenbeschwerden, Glieder- und Herzschmerzen, Hyperventilation und Kopfschmerzen (Fischer et al, 1995; Scholz-Braun, 1999). Wenngleich psychische Krankheitssymptome wie Angstzustände, Schlaflosigkeit, Depression und Nervosität nicht zweifelsfrei auf die Pflegebelastung zurückgeführt werden können, so sind pflegende Frauen dennoch überproportional davon betroffen. Es finden sich überdurchschnittlich hohe Depressionswerte und psychosomatische Beschwerden, die mit der krankmachenden Qualität der Pflegesituation in Zusammenhang gebracht werden. Um zu funktionieren und um Symptome körperlicher und emotionaler Erschöpfung auszugleichen, missbrauchen viele pflegende
Angehörige Medikamente. Zweidrittel aller pflegenden Frauen nehmen Schlaf-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel. Fazit Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen. Damit ansteigen wird auch die Zahl der pflegenden Angehörigen, die ihre Bereitschaft zur häuslichen Pflege derzeit mit einem deutlich erhöhten Risiko körperlicher und seelischer Erkrankungen bezahlen. Um das Risiko als Pflegende selbst zu erkranken, zu verringern und somit auch die Pflegebereitschaft zukünftig aufrecht zu erhalten, müssen mehr Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige angeboten werden. Dazu zählen unter anderem ein verbessertes Beratungsangebot zur besseren Vorbereitung auf die Pflege, umfassende Beratung im Hinblick auf pflegeerleichternde technischer Hilfen und Hilfsmittel, psychosoziale Angebote für pflegende Angehörige, mehr Kurzzeitpflegeplätze, Förderung der
Pflegebereitschaft von Männern, gesundheitsfördernde Maßnahmen für pflegende Angehörige wie zum Beispiel Urlaub von der Pflege. Die Wicker-Klinik Bad Wildungen bietet seit Jahren ein einwöchiges Angebot für pflegende Angehörige an, das deren Bedürfnisse sowohl nach Austausch untereinander, Beratung und Information und Entspannung sowie Ruhe berücksichtigt. Weitere Informationen: Wicker-Klinink Fürst-Friedrich-Str. 2-4 34537 Bad Wildungen Telefon 0 56 21/7 92-2 37 www.wicker-klinik.de sauer@wicker-klinik.de |
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