Wicker-Magazin 11. Ausgabe 2005
Druckversion vom 27.10.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/11/Magazin/Hardtwaldklinik_I/Psychiatrie_Psychosomatik.html
Therapieschwerpunkte
Die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie verfügt über ein breites und differenziertes Indikationsspektrum. Unter psychotherapeutischen Gesichtspunkten wurden zugleich vier Behandlungsschwerpunkte gebildet, die nach strukturellen Merkmalen der Patienten und ihrer Erkrankungen entwickelt wurden. Es handelt sich dabei um Therapiegruppen bzw. -programme für Patientinnen und Patienten mit 1. Psychischen Störungen, 2. Neurotischen und psychosomatischen Störungen, 3. Borderline- und anderen schweren Persönlichkeitsstörungen sowie 4. Posttraumatischen Belastungsstörungen. Für diese Patientengruppen werden stationäre Behandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen durchgeführt.
Therapiekonzept
Grundlage der Behandlung ist ein ganzheitlicher Ansatz, in dem der Mensch gemäß dem biopsychosozialen Krankheitsmodell in seiner leiblich- seelisch-geistigen Einheit und im Rahmen seiner sozialen Bezüge und mit seinen religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugungen und Bedürfnissen gesehen wird. Das psychotherapeutische Vorgehen im engeren Sinne ist an tiefenpsychologischen Erkenntnissen, an der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie, Krankheits- und Persönlichkeitslehre und vor allem an modernen psychoanalytischen Vorstellungen orientiert, die auf dem Konzept der Entwicklungsförderung des Selbst basieren.
In diesem Rahmenkonzept sind außerdem Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, der Traumatherapie sowie der humanistischen Psychologie, z.B. Elemente der Gestalttherapie und des Psychodramas, integriert. Die Psychotherapie des einzelnen Patienten ist in Form des Zusammenwirkens von Einzeltherapie, Gruppenpsychotherapie, Kreativtherapie, Ergotherapie und Milieutherapie zu verstehen. Der jeweilige Bezugspsychotherapeut ist dabei die zentrale Beziehungsperson des Patienten, die mit ihm die Rehabilitations bzw. Behandlungsziele und die entsprechenden Pläne erarbeitet, deren Realisierung koordiniert sowie die Einzel- und Gruppenpsychotherapie durchführt. Zu jeder Therapiegruppe gehören idealer weise als Co-Therapeuten noch ein Kreativtherapeut und eine Bezugsschwester, die außerdem als wichtiger Ansprechpartner im Stationsalltag fungiert und darüber hinaus zeitweise sozio- und milieutherapeutische Aktivitäten leitet.
Bei der Psychotherapie psychotischer Patienten steht die strukturbildende, ich- stärkende und selbstwertstabilisierende Vorgehensweise, bei neurotischen Patienten vorwiegend die konfliktzentriert- aufdeckende, d.h. konfrontierende, klärende und deutende Vorgehensweise im Vordergrund. Für die Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen und zum Teil auch für posttraumatische Belastungsstörungen hat es sich bewährt, ein Spezialprogramm in geschlossen geführten Langzeitgruppen über die Dauer von vier Monaten anzubieten. Diese Patienten haben zumeist eine jahrelange Therapie-Odyssee hinter sich, die sie natürlich aufgrund zahlloser kürzerer Klinikaufenthalte und immer wieder wechselnder therapeutischer Bezugspersonen als eine sich ständig wiederholende traumatische Erfahrung schildern. Diese Aussage der Patienten wird verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine wesentliche Entstehungsursache für diese Störungen in der frühkindlichen Entwicklungsphase liegt, in des es -vereinfacht ausgedrückt- um die psychische Verarbeitung von Trennung und Wiederannährung als spätere Voraussetzung für emotionale Fähigkeit zur Beziehungskonstanz geht. Deshalb muss die Problematik sowohl bei der Planung des Therapie-Settings als auch bei der Formulierung des Therapiefokus berücksichtigt werden.
Darüber hinaus sind in der Praxis Elemente von kreativtherapeutischer, körperorientierter, spielerischer und trainierender Arbeit von großer Bedeutung. Diese Maßnahmen sind in die Behandlung integriert und nehmen ebenfalls einen großen Raum ein gemäß der Zielvorstellung, den Patienten auf verschiedenen Erlebens- und Wahrnehmungsebenen einen therapeutisch geführten Klärungs- und Verarbeitungsprozess in Gang zu setzen.
Neues Therapieangebot
Ergänzend zu den bereits bewährten Therapiemaßnahmen der Abteilung wird neuerdings zusätzlich Lichttherapie, z.T. in Kombination mit meditativer Musik, in der stationären Behandlung schwerer, zumeist saisonaler Depressionen durchgeführt.
Link: www.hardtwaldklinik1.de