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„Risiken verringern - Fehler
vermeiden“
von Dr. Thomas Lutzmann
Über Erfolge spricht man gerne, über Misserfolge weniger.
Anders sieht es in unseren Medien aus, die meist spektakuläre Einzelfälle
wirksam nutzen, um die Quoten zu steigern. Insgesamt treten „unerwünschte
Ereignisse“ während einer Patientenbehandlung schätzungsweise in 10% der Fälle
auf. Dahinter verbergen sich so genannte „Komplikationen“, die zu einem
bestimmten Prozent mit einer Erkrankung oder Behandlung einhergehen. Weitere
„unerwünschte Ereignisse“ stellen Nebenwirkungen von Arzneimitteln, aber auch
eindeutige Behandlungsfehler dar. Die Zahlen dazu sind sehr vage und basieren
auf Schätzungen.
Im Oktober 2004 hat die Gesellschaft für Qualitätsmanagement im
Gesundheitswesen (GQMG) gemeinsam mit der Universitätsklinik Marburg einen
großen Kongress zu diesem Thema durchgeführt. „Die Leistungserbringer im
Gesundheitswesen, die Krankenhäuser und auch die niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzte müssen alles ihnen Mögliche tun, damit Fehler verhindert und Schäden von
ihren Patienten abgewendet werden“, dies hat die Bundesministerin für Gesundheit
und Soziale Sicherung, Frau Ulla Schmidt in ihren Grußworten gefordert.
Oft wird beim Auftreten von Fehlern erst einmal die Schuld
geklärt und einzelnen „Schuldigen“ zugewiesen. Damit verschließt sich für eine
Klinik oder Praxis sofort jede Möglichkeit der tieferen Analyse und Vorbeugung.

Erfahrungen nutzen Aus anderen Branchen
liegen vielfältige Informationen zum Auftreten kleinerer und größerer Ereignisse
und Fehler vor. Am Beispiel der Luftfahrt kann man erkennen, was Fehlererfassung
und deren Bearbeitung für die Vermeidung bringen kann.
Grundlage stellt die so genannte „Fehlerpyramide“ (siehe
Abbildung) dar. Kleinere Vorfälle können zu Zwischenfällen und Unfällen führen.
In der Luftfahrt werden kleinere Vorfälle und Zwischenfälle zum Teil anonym
erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und allen zur
Verfügung gestellt. Gleichzeitig werden die Abläufe überprüft und ggf.
verbessert, damit die Fehler vermieden werden. Nur dadurch lassen sich Unfälle
vermeiden.

Kann die Medizin von der Luftfahrt lernen? An dieser Stelle
arbeiten Risikomanagement und Qualitätsmanagement eng zusammen. Was in der
Medizin Vorfälle und Zwischenfälle sind, muss jeweils definiert werden. Dies
können Komplikationen oder Verwechslungen sein, die noch rechtzeitig erkannt
werden. An den Fehlern sind nicht einzelne Mitarbeiter Schuld, sondern es sind,
so zeigen die Ergebnisse aus anderen Branchen, oft mehrere Menschen beteiligt.
Deshalb ist die reibungslose Kommunikation zwischen den Beteiligten so wichtig.
Dabei handelt es sich auch um eine wichtige Aufgabe des Qualitätsmanagements: Es
geht um Klärung der Abläufe und Informationswege.
Durch das Zusammenspiel der Maßnahmen können in Zukunft
Vorfälle besser erkannt und Fehlern vorgebeugt werden. Das Ziel einer höheren
Patientensicherheit im Gesundheitswesen, wie es die Bundesgesundheitsministerin
fordert, wird dadurch erreicht. Die Erfahrungen aus anderen Ländern können uns
dazu ermutigen. In den USA, wo man sich schon lange mit der Thematik intensiv
beschäftigt, waren die Zwischenfälle und Komplikationen in den letzten Jahren
deutlich rückläufig.
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