Behandlung in der Hardwaldklinik II in Bad Zwesten
von Peter Berger
Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff der Arbeitssucht von Dr. G.
Mentzel, dem ersten Ärztlichen Direktor der Hardtwaldklinik II in Bad Zwesten,
im Jahr 1979 erstmals verwendet. Mentzel vergleicht die Arbeitssucht mit der
Alkoholsucht und erkennt viele Parallelen. Trotz seiner weiten Verbreitung hat
sich der Begriff Arbeitssucht bisher nicht in der offiziellen medizinisch -
psychiatrischen und psychologischen Diagnostik durchsetzen können. Trotzdem
besteht Übereinstimmung darin, dass es arbeitssüchtiges Verhalten gibt. Von
einer Sucht ist immer dann auszugehen, wenn der Betreffende ohne seinen Stoff
nicht mehr auskommt, die Dosen steigert, unter Entzugserscheinungen leidet,
zunehmend das Interesse an früher wichtigen Dingen in seinem Leben verliert und
soziale oder gesellschaftliche Aufgaben und Verpflichtungen vernachlässigt. Die
jeweilige Droge bestimmt sein Leben und schädigt den Menschen zunehmend
körperlich, sozial und seelisch.
Definition der Arbeitssucht
Wie das pathologische Glückspiel, so gehört die Arbeitssucht zu den
stoffungebundenen Süchten. Die Arbeitssucht ist, wie alle anderen Süchte, ein
Selbstheilungsversuch, ein Konfliktlösungsversuch, wobei der Konflikt dem
Betreffenden meist nicht bewusst ist. Der Arbeitssüchtige versucht unangenehme
Gefühle wie Depressionen, Kontaktängste, Selbstunsicherheiten,
Entwurzelungsgefühle usw. oder aber angstmachende Gedanken und Situationen
abzuwehren. Arbeitssucht kann der Kompensation realer oder fantasierter
Minderwertigkeiten oder aber als Ersatzbefriedigung für erlebter Mängel dienen.
Arbeitssucht bemisst sich nicht daran, wie viel jemand arbeitet, sondern daran,
was jemand nicht mehr tun kann. Arbeitssucht wird also nicht durch die Quantität
der Arbeit definiert, sondern durch die Bedeutung und Funktion, die die Arbeit
für den Betreffenden hat. Betrachtet man arbeitssüchtiges Verhalten, so zeigt
sich meist eine gewisse Dranghaftigkeit in der Arbeit, eine Arbeitswut mit
Selbstbestrafungstendenz und selbstzerstörerischem Charakter. Bei der
Arbeitssucht geht es weniger um befriedigenden Lustgewinn wie bei
stoffgebundenen Süchten, sondern eher um das Problem der Zerstörung. Bei
Arbeitssüchtigen ist sehr häufig eine zwanghaft - perfektionistische
Grundeinstellung vorzufinden, wobei die Arbeit nach bestimmten Regeln ablaufen
muss und Flexibilität und innovative Veränderungen des Arbeitsablaufes vermieden
werden. An die Quantität oder aber Qualität der Arbeitserledigung werden hohe
Ansprüche gestellt - unabhängig von der Bedeutung der Arbeitsaufgabe für das
Gesamte.
Folgen von Arbeitssucht
Dem Betroffenen ist der süchtige Charakter seines Arbeitsverhaltens in der
Regel nicht bewusst: Wie bei allen anderen Süchten besteht eine starke
Verleugnungstendenz. Dieses wirkt bei der Arbeitssucht umso stärker, als die
Ergebnisse süchtigen Arbeitens oft eine hohe gesellschaftliche Anerkennung
finden. Auch sind körperliche und seelische Schädigungen bei Arbeitssüchtigen
weniger offensichtlich. Recht deutlich zeigt sich jedoch bei Arbeitssüchtigen
die Zerstörung ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen sowohl in der Familie als
auch im Beruf. Arbeitssüchtige Patienten sind oft isoliert. In die Behandlung
kommen sie in der Regel über sekundäre Symptome, also im Zustand einer
depressiven Krise nach Scheidung oder Verlust der Familie oder aber mit
unterschiedlichsten Spannungs- oder Schmerzsymptomen.
Behandlung / Therapie
Der Behandlungsansatz sollte konflikt- und lösungsorientiert sein, wobei die
stationäre Psychotherapie die Methode der Wahl ist, da die Betroffenen zunächst
aus ihrem beruflichen Milieu herausgelöst werden müssen, um mit ihnen überhaupt
Psychotherapie machen zu können. Konfliktorientiert heißt dabei, dass dem
Betroffenen verdeutlicht werden muss, dass er mit seinem arbeitssüchtigen
Verhalten einen ihm nicht bewussten Konflikt zu lösen versucht, im Sinne einer
Selbstmedikation. Erst wenn dem Betroffenen Grundzüge seines Konflikt bewusst
sind, ist es sinnvoll, lösungsorientiert konkrete Bewältigungsmöglichkeiten zu
erarbeiten. Auf der Ebene der Lösungsorientierung geht es um Fragen der
Zeitplanung, der Arbeitsorganisation, der Wiederbelebung und Neuentdeckung von
Interessen außerhalb der Arbeitswelt, der Pflege sozialer Beziehungen und der
Frage nach Entspannungstechniken. Schwierig ist bei der Therapie von
Arbeitssucht, dass im Gegensatz zur Alkoholsucht nicht die vollständige
Abstinenz Therapieziel sein kann, sondern ein gesundheitsdienliches Verhältnis
zwischen Arbeit und Freizeit. Wegen der Rückfallsgefahr ist immer die
Notwendigkeit einer anschließenden ambulanten Psychotherapie mit dem Patienten
zu besprechen.
Weitere Informationen zum Thema „Arbeitssucht“ erhalten Sie bei der:
Hardtwaldklinik II Hardtstr. 32 34596 Bad Zwesten
Telefon 0 56 26 / 88-17 02
www.hardtwaldklinik2.de info@hardtwaldklinik2.de
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