Können Pflanzenhormone Tumorpatienten schaden?
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von Marion Aschenbrenner und Prof. Dr. Manfred E.
Heim Sonnenberg-Klinik Bad Sooden-Allendorf In bestimmten
pflanzlichen Nahrungsmitteln sind hormonähnliche Substanzen enthalten, die auch
als Phytöstrogene bezeichnet werden. Hierzu zählen die Isoflavone, die in
Hülsenfrüchten, insbesondere in Sojabohnen zu finden sind und die Lignane, die
in hoher Konzentration im Leinsamen auftreten. Für die Ernährung weniger
bedeutsam sind die Coumestane, in Alfaalfa-, Klee- und
Sojasprossen.
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Asiatische Ernährungsweise senkt das Erkrankungsrisiko
Studien zur Ernährung großer Bevölkerungsgruppen haben gezeigt, dass
Brust- und Prostatakrebs in Ländern mit hohem Sojaverzehr seltener auftreten.
Wechseljahresbeschwerden und Osteoporose treten bei Japanerinnen mit
regelmäßigem Sojakonsum seltener auf. Kontrollierte Studien mit unbehandelten
Kontrollgruppen sind in ihrem Ergebnis nicht eindeutig. Möglicherweise
profitieren Frauen mit stärkeren Hitzewallungen eher von Soja-Lebensmitteln. Bei
Frauen nach den Wechseljahren konnte in einigen Studien eine geringe Zunahme der
Knochendichte festgestellt werden. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass
Männer mit regelmäßigem Sojakonsum weniger an Prostatakrebs erkranken und
seltener daran versterben. Die typische fettarme, ballaststoffreiche und
sojahaltige asiatische Ernährungsweise scheint das Erkrankungsrisiko zu senken.
Auch experimentell ließ sich das Wachstum von hormonempfindlichen
Prostatacarcinomen durch Sojaprotein hemmen. Phytöstrogene binden an
Hormonrezeptoren und werden deshalb auch selektive Östrogenrezeptormodulatoren
(SERM) genannt. Interessanterweise binden Phytöstrogene überwiegend an die
Östrogenrezeptoren, die in Knochen, Gehirn, Blutgefäßen und Harntrakt auftreten,
auch Betrarezeptoren genannt, weniger an die Alpharezeptoren in der Brustdrüse
und in der Gebärmutter. Dies kann auch den günstigen Effekt von Sojaprodukten
bei klimakterischen Beschwerden und bei der Prävention der Osteoporose erklären.
Phytöstrogene können sowohl antiöstrogen als auch östrogen wirken. Bei Frauen
vor den Wechseljahren können die Phytöstrogene die körpereigenen Östrogene am
Rezeptor verdrängen und ihre stimulierende Wirkung abschwächen. Daneben wird
durch Phytöstrogene das sexualhormonbindende Transportprotein verstärkt
gebildet, was zu einer Reduktion der biologisch aktiven Hormone führt. Auch die
körpereigene Östrogenbildung wird durch Phytöstrogene gebremst, da sie die
Synthese durch Hemmung des Enzyms Aromatase behindern.
Tumorhemmende Effekte von Isoflavonen?
Experimentell wurden weiterhin hormonunabhängige direkte tumorhemmende
Effekte von Isoflavonen beschrieben. So wurde die Zellteilung gehemmt und die
Gefäßneubildung im Tumor blockiert. Allerdings konnte in Tierexperimenten mit
dem aus Soja isolierten Genistein in höherer Konzentration eine
Brustkrebszell-Linie (MCF-7) zum Wachstum angeregt werden. Auch die hochdosierte
Injektion von Genistein bei neugeborenen Mäusen führte zu einem erhöhten
Auftreten von Gebärmuttercarcinomen. Sind diese Untersuchungen auf den Menschen
übertragbar? Versuche mit Tumorzellkulturen stellen eine künstliche Situation
dar, die mit den Verhältnissen im Menschen kaum zu vergleichen sind. Bisher gibt
es klinisch keinen Hinweis, dass Phytöstrogene in natürlichen Nahrungsmitteln
einen tumorstimulierenden Effekt haben. Es empfiehlt sich, statt isolierter
hochdosierter Isoflavone Phytöstrogene durch Lebensmittel auf Sojabasis
zuzuführen.
Positive Auswirkungen auf Cholesterinspiegel, Wechseljahre - Beschwerden und Krebsprophylaxe
Positive Effekte könnten bereits mit einer Sojamahlzeit täglich, z. B. 300 ml
Sojamilch oder 100 g Tofu oder 2 EL Leinsamen erreicht werden. Diese
Lebensmittel haben darüber hinaus eine sehr günstige Fettsäurenzusammensetzung
und wirken sich günstig auf den Cholesterinspiegel aus. Leinsamen enthält
reichlich Ballaststoffe, während Soja zu einer höheren Aufnahme an pflanzlichem,
biologisch sehr wertvollem, Eiweiß beiträgt - wünschenswerte Kriterien, um
unsere atypisch westliche Ernährungsweise vorteilhaft zu beeinflussen. Wenn Sie
ihre Ernährung mit Hülsenfrüchten, Sojaprodukten und Leinsamen ergänzen, dazu
viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte essen, tun Sie ihrer Gesundheit viel
Gutes und können möglicherweise auch die Beschwerden in den Wechseljahren
positiv beeinflussen und etwas für die Krebsprophylaxe tun. Bei einer solchen
Ernährung ist nicht mit negativen Auswirkungen auf die Tumorerkrankung zu
rechnen. Weitere Hinweise zur Ernährung bei Krebserkrankung finden sie auch in
der Ernährungsbroschüre der Sonnenberg- Klinik (5. Auflage 2005).
Für mehr Informationen: www.informationen-zu-krankheiten.de www.sonnenberg-klinik.de
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