Neurologische Akutklinik belegt 3. Platz im hessenweiten
Klinikvergleich
Bericht vom Thrombolyse- Symposium in Bad Zwesten
Am 2. 11. 2005 fand im Neurologischen Zentrum Bad Zwesten (Hardtwaldklinik I
und Neurologische Akutklinik) ein Ärztesymposium unter dem Thema „Thrombolyse
beim Hirninfarkt mit Schlaganfall -MRT im 6-Stundenfenster?“ statt. Die
Neurologen Dr. Lutz Gerlach und Dr. Michael Eckardt (Neurologisches Zentrum) und
der Radiologe Dr. Carsten Figge (Radiologisches Institut Bad Zwesten)
berichteten über den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie des
ischämischen Hirninfarktes. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die
entscheidende Form der Akutbehandlung des Schlaganfalles – „die Thrombolyse“.
Bei dieser Therapie wird mittels eines intravenös verabreichten Medikamentes
versucht, den Gefäßverschluss, der die Ursache für die akute
Durchblutungsstörung des Gehirns darstellt, aufzulösen (lysieren). Die
Thrombolyse darf nur unter der Leitung von Neurologen in spezialisierten Zentren
durchgeführt werden. Allerdings ist derzeit nur die Behandlung in den ersten
drei Stunden nach Einsetzen der Symptome erlaubt. Das bedeutet, dass innerhalb
dieser drei Stunden (1) der Patient in das Krankenhaus gebracht werden muss, (2)
die notwendigen Untersuchungen (Klinische und Neurologische Untersuchung,
Computertomographie, evtl. Kernspintomographie, Gefäßdiagnostik, Labor, EKG und
Monitorüberwachung zur Blutdruckeinstellung) durchgeführt, (3) die richtige
Diagnose gestellt, (4) Kontraindikationen ausgeschlossen und (5) die Behandlung
eingeleitet werden müssen. Dies erfor- dert eine hohes Maß an Engagement und
struktureller sowie personeller Qualität. Dr. Lutz Gerlach (Leitender
Abteilungsarzt der Neurologischen Akutklinik Bad Zwesten) stellte in seinem
Vortrag die wissenschaftlichen Grundlagen für die Thrombolyse, die aktuelle
Studienlage sowie Ergebnisse aus dem Qualitätssicherungsprojekt „Akutbehandlung
des Schlaganfalles“ der Geschäftsstelle Qualitätssicherung der Hessischen
Krankenhausgesellschaft vor. Viele Kliniken in Hessen erfüllen nicht die
Kriterien für die Durchführung der Thrombolyse beim Hirninfarkt. In der
Neurologischen Akutklinik werden 34% der Patienten, die im 3-Stundenfenster
aufgenommen werden lysiert, damit ist die NAK im hessenweiten Vergleich
drittbeste Klinik bezüglich dieses Qualitätsmarkers und rangiert vor
Universitätskliniken und Häusern der Maximalversorgung (siehe Abbildung).
Da derzeit die Behandlung auf drei Stunden begrenzt ist, profitiert nur ein
kleiner Teil der Patienten. Allerdings kann das Therapiefenster unter bestimmten
Bedingungen auf sechs Stunden ausgeweitet werden. Hierzu ist allerdings eine
hochspezialisierte Neuroradiologische Diagnostik mittels Kernspintomographie
(„Schlaganfall - MRT“) erforderlich. Nur mit dieser Methode kann Hirngewebe, das
minderdurchblutet, aber noch nicht abgestorben ist und somit noch gerettet
werden kann, identifiziert werden. Die Grundlagen der modernen
Schlaganfalldiagnostik mit Darstellung der Gehirngefäße und Gehirndurchblutung
wurden vom Radiologen Dr. Carsten Figge sehr kompetent referiert.
Abschließend stellte Dr. Michael Eckardt (Oberarzt der Neurologischen
Akutklinik) aktuelle Fälle von Patienten vor, die im Neurologischen Zentrum
lysiert wurden. Er betonte dabei nochmals die herausragende Bedeutung des
„Schlaganfall -MRT“ bei der Differentialdiagnose des ischämischen Hirninfarktes
und der Indikationstellung zur Thrombolyse. Besonders deutlich wurde die
Notwendigkeit einer geschulten neurologischen Expertise in der Durchführung
dieser sehr spezifischen und wirksamen Behandlung, die aber in den Händen
unerfahrener Behandler den Patienten durchaus auch schädigen kann. In der
Abschlussdiskussion wurde unter anderem die Bedeutung einer unverzüglichen
Einweisung in ein Schlaganfallzentrum mit neurologischer und neuroradiologischer
Kompetenz angesprochen, denn „Time is brain“ und die Behandlung ist umso
erfolgreicher, je früher sie eingeleitet wird. Ein Schlaganfall ist ebenso ein
Notfall wie der Herzinfarkt und muss ungehend kompetent behandelt werden. Das
Neurologische Zentrum bietet die besten Voraussetzungen dafür.
Dr. Lutz Gerlach
Neurologische Akutklinik Bad Zwesten