Wicker-Magazin 13. Ausgabe 2007 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 27.10.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/13/Kurznachrichten/berufliche-orientierung-in-der-rehabilitation-.html

von Prof. Dr. med. Manfred Heim
Arbeits- und berufsbezogene Problemstellungen spielen im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen in der Rehabilitation eine wesentliche Rolle. Rehabilitationsziele und Therapieverfahren sind daher immer auch im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit auf der Basis des erreichten Leistungsvermögens auszurichten. Die berufliche Reintegration bei Tumorpatienten stand lange Jahre weitgehend im Hintergrund. Durch die Verbesserung der Ergebnisse der Tumortherapie, die Chronifizierung vieler Krebserkrankungen und den Wunsch vieler Patienten, in das Berufsleben zurückzukehren, spielt heute auch die berufliche Reintegration in der stationären onkologischen Rehabilitation eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund hat die Sonnenberg-Klinik in Bad Sooden-Allendorf ein Konzept und Behandlungspfade zur beruflichen Orientierung in der medizinischen Rehabilitation (MBO) erstellt. Hierbei handelt es sich um ein interdisziplinäres Konzept, an dem alle Fachgebiete beteiligt sind. Der aufnehmende Arzt erhebt ausführlich eine Arbeits- und Berufsanamnese und bespricht mit dem Patienten die im Aufnahmebogen und im Belastungsthermometer angegebenen Angaben. Ergibt sich eine berufliche Problemlage, prüft der Arzt, ob ein spezielles MBO-Rehaprogramm sinnvoll ist. Der Arzt stellt die Rehadiagnosen fest und prüft welche Funktionseinschränkungen, Einschränkungen von Aktivitäten und Teilhabe bestehen und welche Kontextfaktoren, insbesondere Barrieren oder Förderfaktoren wirksam sind. Anschließend werden gemeinsam mit dem Patienten die Reha-Ziele aufgestellt, die relevant, verständlich, messbar und durch Verhaltensänderungen erreichbar sein sollen (RUMBA-Regel). Der Arzt stellt dann in Abstimmung mit dem Patienten einen Rehabilitations- und Therapieplan auf, um die formulierten Reha-Ziele zu erreichen und die berufliche Reintegration vorzubereiten. Therapieangebote mit spezieller medizinisch beruflicher Orientierung: Im einzelnen sind dies zum Beispiel: Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Manuelle Lymphdrainage, komplexe physikalische Entstauungstherapie, Einzelkrankengymnastik, Stimmtherapie, Sprechtherapie, Artikulationsförderung, "Kompetenztraining", Funktionstraining, Alltagstraining, Hilfsmittelgebrauch, ADL, Wahrnehmungstraining Belastungserprobung, Bewegungsergonomie, Psychoonkologische Interventionen, Entspannungstraining und Stressmanagement, gezielt psychologische Testverfahren. Bei der Abschlussuntersuchung überprüft der Arzt, auch anhand der Abschlussberichte der Therapieabteilungen, die Reha-Ergebnisse und führt ein Assessment durch. Er bespricht die Reha-Ergebnisse mit dem Patienten. Wenn die berufsbezogene Funktionsfähigkeit weitgehend wieder hergestellt ist, wird mit dem Patienten die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung besprochen. Ist die berufsbezogene Funktionsfähigkeit noch nicht wieder hergestellt, aber ein Erhalt des Arbeitsplatzes möglich, werden mit dem Patienten berufsfördernde Maßnahmen, wie Arbeitsplatzgestaltung, innerbetriebliche Umsetzung oder Qualifizierungsmaßnahmen besprochen. Ist grundsätzlich die Erwerbsfähigkeit als wiederherstellbar anzusehen, so werden mit dem Patienten ebenfalls Qualifizierungsmaßnahmen, ggf. Umschulung nach Beratung mit der Rehaberaterin der DRV-Bund besprochen.

| Sonnenberg-Klinik Hardtstraße 13 37242 Bad Sooden-Allendorf Fachklinik für Onkologie, Hämatologie und Immunologie, Onkologische Rehabilitationsklinik Chefarzt: Prof. Dr. med. Manfred Heim Telefon (0 56 52) 54-1 Telefax (0 56 52) 9 86 E-Mail: info@sonnenberg-klinik.de Internet: www.sonnenberg-klinik.de |