Wicker-Magazin 14. Ausgabe 2008 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 14.04.2010
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Hardtwaldklinik II Telefon (0 56 26) 88-0 |
Stand der Konzeptentwicklung
Von Dr. med. M.
Schäfer, Chefarzt
Angestoßen durch eine Visitation der Deutschen Rentenversicherung Bund im Februar 2004, wurde in der Hardtwaldklinik II eine ergotherapeutische Abteilung aufgebaut. Eine erste Projektphase diente der Information der Klinikmitarbeiter über Ergotherapie als Behandlungsverfahren und über spezielle Indikationen im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation. Hierfür konnten erfahrene Rehabilitationsmediziner als externe Referenten gewonnen werden. Dr. Rudolf J. Kniggenberg, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt/Saale und Dr. Andor Harrach, ehemaliger Chefarzt der psychosomatischen Abteilung der Klinik am Homberg in Bad Wildungen, trugen die Konzeption ihrer Klinik vor, unter besonderer Berücksichtigung ergotherapeutischer Behandlungselemente. Reinhold Schweizer, leitender Ergotherapeut der Klinik am Homberg, stellte ergotherapeutische Techniken in Form eines Werkstattberichtes vor. Noch im Jahre 2004 wurde in der Klinik eine berufsübergreifende Arbeitsgruppe eingesetzt. Hier wurden Kriterien erarbeitet für eine Differenzierung zwischen den in der Klinik langjährig etablierten Kreativtherapien einerseits und der neu zu etablierenden Ergotherapie andererseits.
Mit der Einstellung von Rolf Ulmer begann im September 2005 die
Phase der Entwicklung differenzierter ergotherapeutischer
Behandlungskonzepte. Zugeschnitten auf die spezifischen Bedingungen
der psychosomatischen Rehabilitation in der Hardtwaldklinik II,
wurden sukzessive acht Gruppenkonzepte entwickelt, die in einer
Experimentierphase alle klinisch erprobt wurden.
In der jetzigen Phase der routinisierten Anwendung
ergotherapeutischer Diagnostik und Therapie beschäftigt die
Hardtwaldklinik II drei Mitarbeiter. Rolf Ulmer, als Leiter der
Abteilung, wird unterstützt von Doreen Michel und Gabiele Seebert.
Es stehen der Ergotherapie drei Funktionsräume zur Verfügung und
acht ergonomisch eingerichtete PC-Arbeitsplätze. Um Rehabilitanden
in ihrer Fähigkeit zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der
Gesellschaft zu unterstützen, greift die Ergotherapie in der
Hardtwaldklinik II auf ein in Kanada entwickeltes Praxismodell CMOP
zurück (Canadian Model of Occupationel Performance). Im Mittelpunkt
dieser ergotherapeutischen Betrachtungsweise steht das Individuum
mit seinen täglichen Handlungsdurchführungen. Dieses Modell betont
den wichtigen Zusammenhang zwischen sinngebender Betätigung und
persönlicher Gesundheit.
Ergotherapeutische Einzelbereitung bzw. Einzeltraining sind in der Hardtwaldklinik II möglich; konzeptuell stehen allerdings Gruppenangebote im Vordergrund. Nachfolgend werden die aktuellen ergotherapeutischen Gruppenangebote vorgestellt.
1. „Berufs- und alltagsbezogenes Kompetenztraining“
Diese Gruppe wendet sich an Rehabilitanden, die aus
gesundheitlichen oder persönlichen Gründen bzw. arbeitsmarktbedingt
wichtige Kompetenzen für den Arbeitsalltag verloren haben.
Therapeutisch werden die Lebensbereiche Selbstversorgung,
Produktivität und Freizeit angesprochen. Die Schwerpunktsetzung ist
dabei im Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen
Gruppenteilnehmer variabel. Elemente dieser Gruppe können
beispielsweise alltagsstrukturierende Maßnahmen sein, aber auch
Fragen der beruflichen Orientierung, bis hin zum gezielten Training
eines Bewerbungsgespräches.
2. „Konzentrationstraining“
Beim Konzentrationstraining handelt es sich um eine offenes
Gruppenangebot. Konzentrationstraining kann entweder in klassischer
Form durchgeführt werden durch das Bearbeiten von Arbeitsblättern
in der Gruppe, oder an insgesamt acht PC-Arbeitsplätzen mittels der
standardisierten Cogpack-Software. In der Hardtwaldklinik II ergibt
sich die Indikation für ein ergotherapeutisches
Konzentrationstraining seltener durch neuropsychologische Defizite
im engeren Sinne. Häufigste Indikationsstellungen sind
konzentrative Beeinträchtigungen bei unterschiedlichen Formen
depressiver Erkrankung.
3. „Projektgruppe“
Projektgruppen werden geschlossen durchgeführt mit entweder
stärkerer gestalterischer oder handwerklicher Ausrichtung. Eine
Indikation zur Teilnahme besteht insbesondere bei Antriebsarmut,
bei Defiziten bezüglich der Planung und der Strukturierung von
Arbeitsabläufen, bei negativer Selbsteinschätzung bzgl. der eigenen
Arbeitsleistung und bei Problemen im kollegialen Umgang. Ziel
dieser Gruppe ist die Steigerung von Motivation und Antrieb, die
Verbesserung planerischer und strukturierender Fähigkeiten, sowie
schließlich eine Verbesserung von Selbstwertgefühl und
Teamfähigkeit.
4. „Klinikinterne berufliche Belastungserprobung“
Die interne Belastungserprobung wird in der Hardtwaldklinik II in
Kleingruppen durchgeführt, jeweils nachmittags über einen Zeitraum
von vier Stunden. Viele Rehabilitanden zeigen sich sehr
verunsichert in der Selbsteinschätzung ihrer Arbeits- und
beruflichen Leistungsfähigkeit. Die Teilnahme an der internen
Belastungserprobung soll ihnen zu einer besseren Einschätzung und
Bewertung von Fähigkeiten und noch bestehenden
Funktionseinschränkungen verhelfen.
Nach jetzt mehr als zwei Jahren der routinisierten Anwendung ergotherapeutischer Diagnostik und Behandlungstechniken in der Hardtwaldklinik II, ist die Ergotherapie aus dem Behandlungsspektrum der Klinik nicht mehr wegzudenken. Die ergotherapeutischen Angeboten werden von Rehabilitanden sehr gut angenommen und im Rahmen der internen Befragung auch entsprechend positiv bewertet.
Therapeutische Mitarbeiter schätzen vor allem die präzisen Rückmeldungen bezüglich des Verhaltens von Rehabilitanden in alltagsnahen Belastungssituationen. Die Ergotherapie liefert somit einen wichtigen und inzwischen als unverzichtbar erachteten Beitrag für die sozialmedizinische Einschätzung der Arbeits- und beruflichen Leistungsfähigkeit unserer Rehabilitanden.
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Aktualisiert am 14.04.2010