Projekt Magic

Wicker-Magazin 14. Ausgabe 2008 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 02.04.2009
URL: http://www.wicker-magazin.de/14/projekt-magic.html


Anzeige

Wäscherei Reinhardt GmbH
Textile Sauberkeit und Hygiene
35586 Wetzlar-Hermannstein
 


Therapeutisches Medium "Project Magic"

Projekt Magic - Bildvergrößerung mit Mausklick
Projekt Magic

Project-Magic –
Zauberei als Medium in der Therapie
Von Christoph Costabel,
Wicker-Klinik Bad Wildungen

David Copperfield erzählt:
„Die Inspiration bekam ich durch eine Begegnung mit einem jungen Magier, mit dem ich monatelang brieflich korrespondierte und der mir schließlich ein Foto zuschickte. Ich sah erstaunt, dass er im Rollstuhl sitzt, das hatte er in seinen Briefen nie erwähnt, er hat sich immer nur als Magier beschrieben“ und daraufhin entwickelte er zusammen mit der Ergotherapeutin Julie Dejean 1982 das „PROJECT MAGIC“ am Daniel Freeman-Rehabilitationszentrum in Kalifornien mit dem Ziel Menschen mit Handicaps die Zauberkunst nahe zu bringen und diese in der Therapie zu nutzen.
Dafür stellte er 25 Zauberkunststücke zur Verfügung, die in einem Trickbook zusammengestellt wurden und als Grundlage für das Training dienen. Zu jedem Trick sind die speziellen notwendigen Fähigkeiten des Ausführenden und auch die Möglichkeiten einer eventuell notwendigen Anpassung beschrieben. Gezaubert wird mit einfachen Mitteln wie z. B. Gummibändern, Seilen, Büroklammern oder Streichhölzern. Menschen mit Handicaps lernen die Kunststücke und führen sie vor. Damit können sie etwas ausführen, dass nicht jeder kann und somit hebt sich durch ungeteilte Aufmerksamkeit und den Applaus der Zuschauer ihr Selbstwertgefühl. Nebenbei trainieren sie ihre motorischen, geistig-intellektuellen und sozialen Fähigkeiten. Die Kunststücke sind so gewählt, dass sie mit geringem Zeitaufwand erlernbar sind, um möglichst schnell zu Erfolgserlebnissen zu gelangen. Damit haben sie hohen Aufforderungscharakter und bieten in sich schon einen Motivationsmotor.
1993 flog die jetzige Vorsitzende Ulrike Musäus nach Kalifornien, um sich am Daniel Freeman Hospital ausbilden zu lassen. Sie erhielt die Genehmigung, Project-Magic in Europa einzuführen und damit Zauberer und therapeutisch sowie pädagogisch Tätige auszubilden, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme an dem Projekt zu ermöglichen. Hierzu wurde das in Amerika entwickelte Trickbook ins Deutsche übersetzt. Im Jahr darauf unterrichtete Frau Musäus an der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte in München die ersten Schüler in der Zauberei. 1994 gründete sich der Verein David Copperfields Project-Magic Deutschland e. V. in Kirchheim bei München. Er hat als gemeinnützige Organisation das Ziel ein Kommunikationsnetz zwischen interessierten Patienten, Zauberern, Pädagogen, Ärzten und Therapeuten auf- und auszubauen, um so die Idee von Project-Magic weiter zu verbreiten. Die Rolle von David Copperfield ist in Deutschland auf die Schirmherrschaft beschränkt. Er unterstützt das Projekt hier, in dem er die teilnehmenden Patienten oder Schüler in seine Show einlädt, wenn er sich auf Deutschlandtournee befindet. Eine finanzielle Unterstützung seinerseits gibt es nicht. Der Verein trägt sich durch die Mitgliedsbeiträge und durch Spenden. Inzwischen wird Project-Magic an 14 verschiedenen Standorten in Deutschland durchgeführt. Darunter befinden sich Rehabilitationskliniken, Schulen für Körperbehinderte und Seniorenbegegnungsstätten sowie Praxen für Ergo- und Physiotherapie. Der Verein hat seit einigen Jahren seinen Sitz im nordhessischen Hemfurth am Edersee. Hier fand auch im September 2007 das erste überregionale Treffen von aktiven Zaubergruppen statt. Es trafen sich Projekteilnehmer, Therapeuten, Pädagogen und Zauberer aus Hamburg, Brandenburg, München, Landstuhl und Cham. Aus Wabern waren vier Mitglieder aus der Gruppe „Die zauberhaften 6“ der Waberner Wohnstätten mit ihrem Betreuer nach Hemfurth gekommen. Frau Musäus sagte angesichts der regen Teilnahme an dem Treffen: „Als wir 1993 mit einer Zaubergruppe mit sechs Schülern an der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte angefangen haben, hätte ich nie gedacht, dass dieses Projekt mal so groß werden könnte.“ Seit etwa 5 Jahren bilden die beiden Ergotherapeuten Mirko Hönig und Christoph Costabel Therapeuten, Pädagogen, Ärzte und Zauberer in dem Programm von Project-Magic aus. In den Schulungen werden zum einen das zauberische Know-How und zum anderen auch die therapeutische Nutzbarkeit der Kunststücke vermittelt. Die Gestaltung einer Zaubershow ist ebenfalls ein Lerninhalt. Die beiden Ergotherapeuten waren an einer in Deutschland erstellten „Trickbook 2“- Ausgabe beteiligt. Hier haben sie die therapeutische Verwertbarkeit der von einem Zauberer zusammengestellten Kunststücke analysiert und beschrieben. Mit dem zweiten Buch besteht die Möglichkeit, auch Kurse für Fortgeschrittene anzubieten. Die darin enthaltenen Kunststücke sind noch herausfordernder, weil für viele von ihnen eine Vorbereitung durch bauen und präparieren der Utensilien notwendig ist.

Zaubern in der Wicker-Klinik Bad Wildungen
In unregelmäßigen Abständen lernt auch ein Teil der Patienten der Wicker-Klinik das Zaubern. Zum Beispiel führten Patienten zu Weihnachten ihren schwerer betroffenen Mitpatienten Kunststücke vor. Dazu wurde die Eingangshalle der Ergotherapie komplett leer geräumt und mit Stühlen und einer kleinen Bühne bestückt. Der eine ließ Tücher verschwinden, der andere zauberte aus dem Nichts Tücher hervor und wiederum eine andere Patientin ließ Haargummibänder auf unerklärliche Weise über ihre Finger springen. So verzauberten sie ihr dankbares Publikum.

Zum Schluss des Artikels ein Zitat von Mark Twain:
„Gib Deine Illusionen nicht auf. Hast Du sie verloren, so magst Du zwar Dein Dasein fristen, aber Leben im eigentlichen Sinne kannst Du nicht mehr!“

Weitere Informationen gibt es unter
www.project-magic.de
oder unter der Telefonnummer (0 56 23) 93 09 71



Nach oben

 


© 1997- Wicker-Gruppe | Seite empfehlen | Seitenübersicht | Artikelübersicht | Suche | Aktualisiert am 02.04.2009