Wicker-Magazin 14. Ausgabe 2008 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 01.07.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/14/reha-nach-kehlkopfkrebs.html
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Landesvorsitzender der Kehlkopfoperierten in Niedersachsen und Präsident des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten |
Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken
(Samuel Johnson,
1709-1784)
Rehabilitation nach Kehlkopfkrebs
Das England des 18. Jahrhunderts bot für den redegewandten Schriftsteller, Dichter und Kritiker Johnson die ideale Bühne. Was musste nicht alles beredet, debattiert und gedanklich immer hin und her gewendet werden. Johnson war der Mittelpunkt einer neuen Gesprächskultur, bei der Unterhaltung nicht Zeitvertreib sondern ein kunstvoller Umgang mit der Sprache war.
Für etwa 11.000 Menschen, welche pro Jahr in Deutschland an Tumoren im Hals-Nasen- Bereich und speziell für die 3200 Menschen, die an Kehlkopfkrebs erkranken, ist die Unterhaltung indessen kein Zeitvertreib sondern ein mühevolles Wiedererlernen der Sprache. Dieses Schicksal traf auch Mark Erhart, heute Leiter der Selbsthilfegruppe Kehlkopfloser in Göttingen und Betreuer von Patienten aus der Göttinger Universitätsklinik und der Sonnenberg-Klinik Bad Sooden-Allendorf.
Auf der Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen der Selbsthilfegruppe Kehlkopfoperierter Göttingen am 15. Juni 2007 in der Sonnenberg-Klinik, berichtete Herr Erhart von seiner Arbeit und seiner eigenen Erkrankung. Er musste die Sprache wieder erlernen, spricht jetzt verständlich, ohne Prothese und wendet eine spezielle Sprachtechnik an, bei der die Mundluft in Verbindung mit der Speiseröhre (Ruktusstimme) genutzt wird. Aufbauend auf der eigenen- Erfahrung mit der Tumorerkrankung und ihren Folgen fungiert Herr Erhart als Mutmacher. Er kommt einmal pro Woche in die Sonnenberg-Klinik und steht den Patienten mit Tipps und Ratschlägen zur Seite.
Eröffnet wurde die Jubiläumsfeier von Werner Kubitza, dem Landesvorsitzenden der Kehlkopfoperierten in Niedersachsen und Präsidenten des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten. Er lobt und empfiehlt die Sonnenberg-Klinik mit den Worten: „Die gute Nachsorge ist enorm wichtig. Deshalb gehört die Klinik zu den fünf Kliniken in Deutschland, die für uns eine Top-Qualität anbieten“.
Zu dieser „Top-Qualität“ trägt unwidersprochen die kompetente Arbeit des Logopäden bei. Hierzu gehört das Kommunikationstraining das darauf abzielt, die aktuellen kommunikativen Mittel der Patienten zu verbessern oder wieder herzustellen, um so die Betroffenen bei der Bewältigung der alltäglichen Anforderungen im Beruf, in der Öffentlichkeit und im privaten Bereich zu unterstützen und damit zu verbesserter Lebensqualität beizutragen. Nicht selten treten in Folge der Erkrankung neben den körperlichen Aspekten auch konkrete Kommunikationsprobleme auf seelischer Ebene auf. Um diese Defizite therapeutisch erfolgreich behandeln zu können fördert die Sonnenberg-Klinik ihre Mitarbeiter durch gezielte Fortbildungen.
So wird der Logopäde der Sonnenberg-Klinik am ganztätigen Kurs zur psychosozialen Betreuung von Kehlkopflosen am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Leipzig teilnehmen. Dies wird sowohl zur Verbesserung der Qualität der psychosozialen Versorgung von Krebspatienten als auch zur Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten von Logopäden beitragen. So schließt sich der Kreis zwischen der Sonnenberg-Klinik und der Selbsthilfegruppe Kehlkopfloser Göttingen.
Beide haben die seelische und körperliche Regeneration der Patienten zum Ziel, um ihnen das vielleicht wichtigste menschliche Kommunikationsmittel, die Stimme, wiederzugeben.
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Aktualisiert am 01.07.2008