Wicker-Magazin 14. Ausgabe 2008 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 01.07.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/14/schueler-leiten-eine-station-.html

Die 21 Gesundheits- und Krankenpflegerschüler/innen
Erstmalig wurde in der Werner-Wicker-Klinik das Projekt „Schüler leiten eine Station“ durchgeführt. Über einen Zeitraum von 7 Tagen haben 21 Gesundheits- und Krankenpflegerschüler/innen des Bildungszentrums an der Werner-Wicker-Klinik die pflegerische Leitung einer Station übernommen. Ziel dieses Projektes war es den Schülern/innen einen realistischen und konkreten Eindruck zu vermitteln, wie umfangreich, unterschiedlich und verantwortungsvoll eine derartige Aufgabe ist. Damit sollte die Verantwortlichkeit der Schüler/innen gefördert und deren Selbständigkeit verbessert werden. Dies sollte durch selbständiges Organisieren von administrativen Tätigkeiten sowie der selbständigen Planung, Durchführung und Evaluation von Pflegetätigkeiten erreicht werden.
Initiiert wurde das Projekt vom Praxisanleiter und examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger der Station B4, Andreas Kimm. Dieser zeichnete auch, in Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen des Bildungszentrums, der Lehrerin für Krankenpflegeberufe und Elke Marcattili und der Diplompflegepädagogin Brita Ziske, für die Planung und Organisation des Projekts verantwortlich. Die Station B4 gehört zum Zentrum für Rückenmarkverletzte in der WWK. Es handelt sich um eine 26 Betten Station, deren Patientinnen und Patienten durch eine erlittene Querschnittlähmung, nicht selten in Verbindung mit einem Schädel-Hirn-Trauma, in ihrer Selbstpflege aufs Äußerste eingeschränkt sind. Dadurch benötigen sie, je nach Lähmungshöhe, in vielen bis allen Bereichen des täglichen Lebens Unterstützung. Die umfangreiche Projektplanung zog sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten hin. Zunächst musste die Zustimmung des verantwortlichen Chefarztes PD Dr. med. Thomas Meiners, und des Pflegedirektors Gottfried Fischer, als Grundlage für die Planung und Durchführung eingeholt werden. Beide Herren standen dem Projekt sehr positiv gegenüber und befürworteten dessen Durchführung. In einem zweiten Schritt wurden Absprachen mit dem zuständigen Stationsleiter Josef Maier, und den pflegerischen Mitarbeitern der Station getroffen. Ein geeigneter Kurs fand sich im Gesundheits- und Krankenpflegekurs GKP7. Die Schülerinnen und Schüler stehen kurz vor ihrem Examen, und sind somit in ihrer Ausbildung schon entsprechend weit voran geschritten. Des Weiteren wurde die Zustimmung des verantwortlichen Schulleiters Klaus Spohr eingeholt. Die verantwortliche Kursleiterin Frau Marcattili und ihre Kollegin Frau Ziske betreuten und berieten die Schüler/ innen während der Durchführung des Projektes auf pädagogischer Ebene. Schwerpunkt der Beratung war die begründet-theoretisch fundierte Pflege fachkompetent darzustellen, um diese patientenorientiert in die Praxis zu übertragen. Im nächsten Schritt des Projektes wurden die zeitliche Dauer und die Auswahl der in Frage kommenden Positionen/ Funktionen für die einzelnen Schüler/ innen festgelegt. Dabei wurden die Funktionen des Stationsleiters, der neun Bereichsleitungen und der Mitarbeiter der einzelnen Pflegegruppen verteilt. Der Dienstplan wurde so gestaltet, dass alle Dienste im Früh-, Spät- und Nachtdienst von Schülern/innen abgedeckt werden konnten. Selbstverständlich stand zu allen Zeiten examiniertes Pflegepersonal zur Verfügung, das beratend und bei Bedarf unterstützend einwirken konnte.
Vor Beginn der Durchführung wurden die Patienten/innen der Station schriftlich über das Projekt informiert und über ihre Mitwirkung befragt. Insgesamt standen für den gesamten Zeitraum 14 Patienten/innen zur Verfügung. Die Durchführung startete am Samstag, den 20.Oktober. Es wurde bewusst am Wochenende begonnen, um den Schülern/ innen ausreichend Zeit zu lassen die Patienten/ innen kennen zu lernen, und sich mit deren individuellen medizinischen Diagnosen sowie den pflegerischen Bedürfnissen vertraut zu machen. Durch dieses Vorbereitungswochenende waren die Schüler/innen bestmöglich auf die folgende Arbeitswoche vorbereitet und konnten alle anfallenden Tätigkeiten ohne Hilfestellung der examinierten Pflegekräfte erledigen.
Entsprechend wurden die Patienten/innen optimal pflegerisch versorgt. Visiten wurden ausgearbeitet, Medikamente gestellt und die Station in Ordnung gehalten. Auch neue Bereiche des pflegerischen Alltags, die nun eigenständig organisiert und durchgeführt werden mussten, taten sich auf. Der pflegerische Alltag zeigte sich mit all seinen Sonnenaber auch Schattenseiten. Unstimmigkeiten und Kommunikationsprobleme, die natürlich auch entstanden, wurden dabei durch eine besonders gute Teamarbeit und hohes Verantwortungsbewusstsein ausgeglichen. Das Projekt „Schüler leiten eine Station“ wurde am 26. Oktober mit einer Auswertung beendet. Bei dieser Auswertung waren sich alle Teilnehmer/innen einig, dass der Zeitraum für das Projekt zu kurz war, weil kaum Möglichkeiten für Dienstzeiten- oder auch Funktionswechsel vorhanden waren. Mehr Zeit wäre auch notwendig gewesen, um sich im Team zu finden und in den einzelnen Funktionen mehr Sicherheit zu gewinnen. Insgesamt wurden die beschriebenen Ziele erreicht und alle Teilnehmer hatten einen Einblick in das reale „Pflegeleben“ gewonnen. Manche administrativen Tätigkeiten konnten leider nicht ausreichend geübt werden, da sie teilweise EDV gebunden sind und in der dazu notwendigen Häufigkeit nicht vorkamen. Durch die Anzahl der Schüler/innen, die weit über dem Stellenschlüssel der Station liegt, konnte auf individuelle Bedürfnisse der Patienten/innen eingegangen, und diese ohne Zeitdruck versorgt werden. Diesen Umstand haben die Patienten/innen nach der Projektwoche übereinstimmend positiv bewertet.
Die Schüler/innen waren von der Vielzahl der pflegerischen Aufgaben im Stationsalltag überrascht, die in ihrem „Schülerdasein“ nicht an sie heran kommen. Der gesamte Kurs empfand es als sehr angenehm, dass die übrigen Berufsgruppen so gut mitgearbeitet und dieses Projekt unterstützt haben. Die Kursleiterinnen resümierten, dass durch das Projekt vielfältige Lerneffekte ausgelöst wurden.
Abschließend bleibt festzustellen, dass dieses Projekt für alle Beteiligten ein positives Ergebnis hatte, das es auszubauen gilt. Die „Premiere“ ist gelungen und wird vielleicht bei einem der nächsten Kurse wiederholt.
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Aktualisiert am 01.07.2008