Wicker-Magazin 14. Ausgabe 2008 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe
Druckversion vom 01.07.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/14/soodener-gespraeche-2007.html

Das Kunstobjekt von Gerhard Pelzer
„Seite an Seite – Kompetenz und Unterstützung in der Onkologie“
ein Erfahrungsbericht von Ana Mi
in, Kommunikationsbeauftragte der Sonnenberg-Klinik
Der nachstehende Bericht beinhaltet nicht eine Zusammenfassung des Programms der Soodener Gespräche. Vielmehr ist es ein Resümee meiner eigenen Eindrücke und Erlebnisse, die ich aufgrund der Teilnahme an verschiedenen Vorträgen und der Arbeitsgruppe „Seite an Seite: Krebserkrankung und Partnerschaft“ gewinnen konnte.
Eröffnet wurde die Tagung in der Sonnenberg- Klinik am Freitag, den 21.
September 2007 mit der Ausstellung des Künstlers Gerhard Pelzer. Begleitet von
eigens gemalten Bildern, Objekten, Gedichten und selber darstellenden Klängen
erzählte Herr Pelzer von seinen persönlichen Erfahrungen und Gefühlen während
und nach der Zeit seiner Krebserkrankung. Der Leitspruch dieser gelungenen
künstlerischen Darstellung lautete „weit.werden“ und regte mit dem folgenden
Zitat vom Herrn Pelzer sehr zum nachdenken an: „Wer die Weite erfahren möchte
muss zunächst die Enge gespürt haben“. Symbolisch für dieses Zitat und den
Leitspruch der Ausstellung schmücken von nun an die zwei Wörter „weit.werden“
die Dachterrasse der Sonnenberg-Klinik und laden zum sinnieren ein.
Die zwei
Gegensätze Enge und Weite finden sich im Exkurs über Wege zum Glück vom
Theologen Prof. Dr. Fullbert Steffensky wieder. In seinem Vortrag „Glück:
Ganzheit im Fragment“ warnt Herr Steffensky vor den Totalitätserwartungen der
heutigen Gesellschaft. Der Anspruch an die Vollkommenheit eines Menschen ist
demnach zum Scheitern verurteilt. Mit der Aussage, dass die Schönheit des Lebens
nicht im vollkommenen Gelingen und in der Ganzheit liegt lobt Herr Steffensky
die gelungene Halbheit und wendet sich somit gegen den, von Ihm betitelten
„Totalitätsterror“ ab. Trotz der Ernsthaftigkeit dieses Themas gelingt es Herrn
Steffensky seine gespannten Zuhörer zum Schmunzeln zu bringen. Den Grund dafür
liefert er mit der Aussage, dass er die Wertschätzung der Halbheit des Lebens
und das Dankenkönnen im Älterwerden vermutet. Junge und gesunde Menschen sind
kompromisslos und geben sich dem beengenden Druck nach Vollkommenheit hin. Mit
zunehmendem Alter hat man umso mehr „Augen und Herz für das kleine Gelingen“.
Für ein weiter gespanntes Zuhören und eine rege Beteiligung an der anschließenden Diskussionsrunde sorgte der Vortrag vom Psychotherapeuten Dr. Gerhard Strittmatter mit dem Thema „Leiden Männer anders?“. Wie bereits vermutet und von allen Beteiligten bejaht existieren Unterschiede aber auch Übereinstimmungen zwischen Männern und Frauen in der Verarbeitung einer Krankheit. Dabei betont Herr Strittmatter, dass die männlichen Bewältigungsformen gewürdigt und gefördert werden müssen und diese nicht den weiblichen angeglichen werden müssen. „Die 10 Gebote der Krebsbewältigung“ rundeten den Vortrag ab und dienten als Hilfestütze für alle Teilnehmer, unabhängig davon, ob man selber an Krebs erkrankt ist oder einen krebskranken Partner an der Seite hat.
Künstlerisch begann der erste Tag der Soodener Gespräche und kunstgerecht klang er auch aus. Das Konzert im Wappensaal „Erinnerung Opus 68: Begegnungen mit den Schumanns“ ließ den Zuhörer teilhaben an einem Lebensabschnitt der Familie Schumann, verbracht in Dresden. Die Lesung, stilvoll kombiniert mit Gesang und begleitet von Violine und Klavier regte alle Sinne an und somit die eigene bildhafte Vorstellung von den Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts und der Familie Schumann.
Am Morgen des folgenden Tages fanden weitere Vorträge statt, nachmittags hatten die Teilnehmer die Gelegenheit an einer der insgesamt zehn stattfindenden Arbeitsgruppen teilzuhaben. Der aufschlussreiche Vortrag von Psychologin Dr. Tanja Zimmermann „Seite an Seite: Was bedeutet die Krebserkrankung für Paare?“ und damit verbundenes Interesse an diesem Thema führten mich in die dazu gehörende Arbeitsgruppe „Seite an Seite: Krebserkrankung und Partnerschaft“. Der Fokus richtete sich, wie es der Name der Arbeitsgruppe bereits ahnen lässt, auf die Auswirkungen einer Krebserkrankung auf die Partnerschaft. Moderiert von Frau Zimmermann fand ein reger Austausch von persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer statt. Es wurden viele Fragen gestellt, Lösungen von Problemen gemeinsam gesucht, emotional bewegende Lebenseinschnitte mitgeteilt und auch Ängste, Sorgen und Hoffnungen fanden hier ausreichend Platz. Offen und vertrauensvoll wurde miteinander geredet und diskutiert, alle Teilnehmer haben sich in dieser Arbeitsgruppe erkennbar gut aufgehoben gefühlt. Auch wenn jeder der einzelnen Teilnehmer eine andere, seine eigene Lebensgeschichte erzählt hat, so haben wir nach diesem Tag eins gemeinsam: das Wissen um die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation.
In Ihrem Terminkalender können Sie auch jetzt schon die Soodener Gespräche 2008 am 19. und 20. September vormerken.
Nähere Informationen zu den Soodener Gesprächen 2007 finden Sie als eventuell neugierig gewordener Leser auf der Homepage der Sonnenberg-Klinik unter www.sonnenberg-klinik.de.
Sie haben auch die Möglichkeit direkt mit dem Freundeskreis unter der
Telefonnummer (0 56 52) 54 899 Kontakt aufzunehmen.
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Aktualisiert am 01.07.2008