

Die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner erhält Zertifikat für die Behandlung von Post-Polio-Syndrom
Die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner wurde durch den Bundesverband Poliomyelitis e. V. als eine von inzwischen vier Kliniken bundesweit zertifiziert. Die Begutachtung erfolgt durch ein selbst von der Poliomyelitis betroffenes Mitglied des Bundesvorstands der Selbsthilfegesellschaft sowie ein Mitglied des medizinischen Beirates. Die Klinik Hoher Meissner wurde durch den Bundesvorsitzenden Herrn Hans- Joachim Wöbbeking und Herrn Dr. Tröger besucht. Dabei wurden die strukturellen Voraussetzungen der Klinik, der Ablauf des Rehabilitationsprozesses und die Qualifikation des ärztlichen und therapeutischen Personals überprüft. Im Mai 2007 erfolgte schließlich die Übergabe des Zertifikats an den Chefarzt der Neurologischen Abteilung, Herrn Dr. Carsten Schröter.
Nach jahrzehntelangem stabilen Verlauf nach der akuten Kinderlähmung kann es zu einer langsamen Zunahme der Schwächen und anderen Symptomen kommen, dem sogenannten Post-Polio-Syndrom (PPS). Schätzungen der Häufigkeit des Post-Polio- Syndroms (PPS) in Deutschland schwanken zwischen 10.000 und 100.000 Personen. Die Patienten bemerken meist, dass die Ausdauer oder Kraft für bestimmte Tätigkeiten nachlässt. So kann bei Personen mit Störungen im Bereich der Rumpf- und Beinmuskulatur das Gehen schwerer werden oder die zu bewältigende Gehstrecke abnehmen. Längere Erholungsphasen nach körperlichen Tätigkeiten werden nötig. Verstärkte Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit werden oft geschildert, auch unabhängig von den durchgeführten körperlichen Anstrengungen oder nach Aktivitäten ungewöhnlich lang anhaltend. Weitere häufige Symptome sind Schmerzen in der Muskulatur oder den Gelenken und eine Kälteintoleranz.
Es gibt eine Reihe gut kontrollierter Studien, die die Effekte von Krankengymnastik auf die Kraft und Ausdauer von Patienten mit Post-Polio-Syndrom untersucht und einen positiven Effekt gezeigt haben. Andererseits kann durch sehr intensives Training das motorische System aber überbelastet werden mit resultierender weiterer Zunahme der Schwächen. Die Behandlung soll deshalb vorwiegend mit dem Ziel der Funktionsbesserung, nicht primär mit dem Ziel der Kräftigung erfolgen. Durch ein Training mit leichter bis mäßiger aerober Belastung kann zudem eine Verbesserung der muskulären Ausdauer und der Leistungsfähigkeit auch des Herz-Kreislauf-Systems erzielt werden. Patienten mit Post-Polio-Syndrom zeigen sehr oft eine besonders hohe Leistungsbereitschaft. Bei Einsetzen neuer Schwächen durch das Post-Polio-Syndrom wird dann entsprechend auch selbständig ein intensives und hartes Training durchgeführt. Dies kann aber bei Vorliegen des Post-Polio-Syndroms einen gegenteiligen Effekt bedingen, zu intensives Training kann zu einer weiteren Verschlechterung führen. Deshalb ist es auch ein wichtiger Aspekt der Rehabilitation, dass Patienten in der Krankengymnastik wie auch in psychologischen Gesprächen erlernen, den Bewältigungsansatz zu ändern. Verantwortungsvoller Umgang mit den Energieressourcen, ausreichend Pausen, Vermeidung von Überlastung sind die Schlüssel zur Stabilisierung der Symptomatik. Training muss auch sein, aber auf die Dosis kommt es an.
In der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner erfolgt je nach individueller Symptomatik ein dosiertes physiotherapeutisches und ergotherapeutisches Training, begleitet durch physikalische Therapie und auch psychologisch unterstütztes Erlernen eines möglichst konstruktiven Umgangs mit der Erkrankung. Eine enge Zusammenarbeit mit den Polio-Selbsthilfeorganisationen ist zudem von großer Bedeutung.
Umfangreiche Informationen zum Post- Polio-Symdrom finden Sie auf unseren Internet-Seiten (www.reha-klinik.de) unter „Informationen über Krankheitsbilder“.
Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurolog. Abteilung
Klinik
Hoher Meissner
Hardtstraße 36
37242 Bad Sooden-Allendorf
Telefon (0 56 52) 55 861
Telefax (0 56 52) 55 814
Internet: www.reha-klinik.de
E-Mail: neurologie@reha-klinik.de
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Aktualisiert am 01.07.2008