Wicker-Magazin 15. Ausgabe · Januar-Dezember 2009 · www.wicker-magazin.de
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Seite: 30 Jahre Werner-Wicker-Klinik


30 Jahre Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen

Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen

von Jörg Eisenhuth / Heiner Stumpf

"Die größte Herausforderung meines Lebens"
nannte Werner Wicker den Bau der Werner-Wicker-Klinik von 1975-1978 anlässlich der Mitarbeiterfeier zum 30-jährigen Bestehen der Klinik. Und das soll etwas heißen, hatte Werner Wicker doch unter anderem beim Bau der Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen im Rohbau übernachtet, um "Materialschwund" zu verhindern. Die angesprochene Herausforderung beim Bau der Werner-Wicker-Klinik war jedoch von ganz anderer Dimension.
In den ersten Bauanträgen von 1975 war lediglich ein Sanatorium geplant, das noch nicht einmal ein Drittel der heutigen Größe der Klinik umfasste. Während dieser Planungsphase zeigte sich, dass der Bedarf an Sanatoriumsbetten nicht sehr hoch war. Die besondere unternehmerische Fähigkeit von Werner Wicker Planungen und Konzepte permanent zu hinterfragen und bei Bedarf neu anzupassen, führte bereits 1976 nach Rücksprachen mit Berufsgenossenschaften dazu, dass eine orthopädische Schwerpunktklinik mit über 300 Betten gebaut werden sollte. Auch materiell war dies eine gewaltige unternehmerische Herausforderung, da die Kosten des ursprünglich geplanten Sanatoriums auf das Fünffache angehoben werden mussten, um die Schwerpunktklinik verwirklichen zu können.

Das Klinikkonzept, das auch heute noch weitgehend die Klinikstruktur darstellt, wurde 1977 folgendermaßen beschrieben:
"Im Hinblick auf den großen Bedarf in der Orthopädie, vor allem aber für querschnittgelähmte Patienten, wurde die Klinik konzipiert. Hier sollen sowohl Skoliose Patienten und Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen operativ und konservativ behandelt werden als auch querschnittgelähmte Patienten - einschließlich Frischverletzter - aufgenommen, behandelt und deren Rehabilitation nach modernsten Erkenntnissen betrieben werden."

Durch die Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften in der Planungsphase konnten die neuesten BG-Richtlinien beim Bau berücksichtigt werden. Es entstand eine Klinik mit Modellcharakter. Die erste Klinik in Deutschland, die direkt für die Behandlung querschnittgelähmter Menschen erbaut wurde. Mit ihren 130 Betten für die Behandlung von Menschen mit einer Querschnittlähmung erhöhte sich die Behandlungskapazität in Deutschland um 25% von 500 auf 630 Betten. Auch nach 30 Jahren ist die Werner Wicker Klinik das größte Behandlungszentrum seiner Art in Deutschland.

Werner Wicker hatte bei der Errichtung der Klinik immer die Zielvorstellung vor Augen, den Betroffenen alle erdenklichen Erleichterungen der modernen Medizin zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig eine menschliche Atmosphäre zu bieten, in der die unfall- und krankheitsbedingten Herausforderungen auch menschlich gemeistert werden können. Jedem einzelnen Menschen die Möglichkeit zu geben ein menschenwürdiges, befriedigendes Leben mitten in der Gesellschaft zu führen, ist früher wie heute das oberste Behandlungsziel. Dies wird gewährleistet durch über 800 professionelle und engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die das Grundkapital des Erfolgs der Klinik darstellen. Bereits beim Bau waren Kapazitäten in der Behandlung querschnittgelähmter Menschen wie z.B. Prof. Dr. Gerner oder Herr Münz in der Ergotherapie beteiligt, um von Beginn an optimale Bedingungen zu gewährleisten.
Neben ihrer Fachkompetenz waren alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch immer bereit, von erfahrenen Betroffenen zu lernen, um sich deren Kompetenzen anzueignen. So profitierte beispielsweise die Pflege gerade in der Anfangszeit von vielen positiven Erfahrungen langjährig querschnittgelähmter Menschen.
Seit den Anfängen der Klinik hat diese fachliche Kompetenz und die Einstellung, sich immer Neues anzueignen geholfen, Dinge zu erreichen, die andere für nicht vorstellbar hielten. Der ehemalige Chefarzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte, Dr. Gerner führte 1999 in einem Zeitschriftenartikel aus, dass bis in die 80er Jahre eine komplette Rückenmarkverletzung im Bereich der oberen Halsmarksegmente als nicht überlebensfähig galt. Dank der in der Werner-Wicker-Klinik geleisteten Arbeit, ist es gelungen, Therapien zu entwickeln, mit denen hoch querschnittgelähmten Patienten die Chance eröffnet wird, weiter zu leben. Und dies in der Regel in ihrem Zuhause und nicht in einem Heim oder einer Klinik.

Ähnlich erfolgreich hat sich die Klinik auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie entwickelt.
Die ersten wesentlichen Fortschritte bei der operativen Behandlung von Formabweichungen der Wirbelsäule konnten erst seit Anfang der 50er Jahre erzielt werden. Mit der Inbetriebnahme der Werner Wicker Klinik und des von ihr gegründeten Deutschen Skoliosezentrums wurden die bis dahin bekannten Behandlungstechniken weiterentwickelt und modernisiert. Die positiven Ergebnisse, wirbelsäulenchirurgischer Therapien bei der Behandlung degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen sind seit Mitte der 80er Jahre in der Fachwelt unbestritten und auch ganz erheblich auf die innovative und mutige Arbeit der in der Klinik tätigen Ärzte und Behandler zurückzuführen.

Heute ist die Werner-Wicker-Klinik national und international eine Spitzenadresse für die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen und -verletzungen, sowie deren Folgen. Sie hat einen medizinisch, konzeptionellen Ansatz entwickelt, dessen Basis die vorhandene Kompetenz der Zentren für Rückenmarkverletzte und Wirbelsäulenchirurgie, der Fachabteilungen für Neuro-Urologie, Neurochirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin ist. Die führende Position der WWK lässt sich auch daran erkennen, dass mittlerweile viele andere Spezialkrankenhäuser von Chefärzten geleitet werden, die früher in der Werner Wicker Klinik tätig waren.
Die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Betroffenen, Kostenträgern und Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen belegen, dass es der Werner Wicker Klinik auch heute noch gelingt, trotz der besonderen Herausforderungen durch die Gesundheitsreform, eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Der Teamgeist, der dieses spezifische Mikroklima schafft, ist die Basis dafür, dass es gelingt, den betroffenen Menschen, eine Perspektive zu bieten. Die Klinikmitarbeiter und -Mitarbeiterinnen zeichnen sich in ihrer Arbeit und im Team der Klinik durch die Fähigkeit aus, schwerst kranke Menschen so zu pflegen, zu behandeln und ihnen zu begegnen, dass es diesen möglich ist, trotz schwerster Erkrankung nach ihrem Klinikaufenthalt eine Verbesserung der Lebensqualität zu erzielen. Über 4000 Menschen werden so pro Jahr in der Werner- Wicker-Klinik behandelt.

Gerade in den letzten Jahren mussten durch die Gesundheitsreform auch in der Werner-Wicker-Klinik Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt werden. So wie Herr Wicker als Unternehmer vorlebt, dass die Fähigkeit zur Veränderung und Weiterentwicklung von Konzepten bzw. Strukturen absolut notwendig ist, um erfolgreich arbeiten und die angestrebten Ziele erreichen zu können, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werner Wicker Klinik bewiesen, dass sie diese Haltung teilen. Insofern bietet das Mitarbeiterpotential die Voraussetzung dafür, die Spitzenposition, die die Werner-Wicker-Klinik national und international einnimmt, auch zukünftig erfolgreich ausbauen zu können.

 



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