Wicker-Magazin 15. Ausgabe · Januar-Dezember 2009 · www.wicker-magazin.de
Druckversion vom 21.12.2008
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Seite: HMSN (Muskelschwund)


Tagung für Patienten mit Muskelschwund in Bad Sooden-Allendorf

Der Vortragssaal der Klinik Hoher Meissner, in dem die Tagung für Patienten mit HMSN (hereditäre sensomotorische Neuropathie) stattfinden sollte, reichte nicht aus, das Interesse war zu groß. Der Wappensaal im Alten Kurhaus in Bad Sooden-Allendorf konnte genutzt werden, und auch dieser Saal war schließlich um 11.00 Uhr mit 163 Interessenten bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus ganz Deutschland, sogar von Tübingen, Lübeck, Aachen und Berlin reisten Patienten an.

Die Tagung wurde auf Initiative von Dr. Carsten Schröter, Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner, und Petra Hatzinger, Kontaktperson der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) durchgeführt. Priv.-Doz. Dr. Clemens Neusch, Sprecher des Muskelzentrums der Universität Göttingen, und Prof. Dr. Peter Young, Leitender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Münster und Leiter der größten HMSN-Ambulanz in Deutschland, beteiligten sich als Referenten. Dr. Neusch berichtete über die Symptome und Folgen sowie die genetischen Grundlagen der HMSN. Prof. Young informierte anschließend über eigene zuvor noch nicht veröffentlichte Untersuchungsergebnisse zu Schlafstörungen bei HMSN.
So wurde das Schlaf-Apnoe-Syndrom bei Patienten mit dieser Erkrankung sehr viel häufiger gefunden als in der gesunden Kontrollgruppe. Darüber hinaus berichtete er in einem weiteren Vortrag über Therapiestudien. Bislang gibt es keine medikamentöse Behandlung, die die Erkrankung aufhalten kann. Nach einer Untersuchung an Mäusen mit einer speziellen Form der Erkrankung (CMT 1A), die unter hohen Gaben von Vitamin C einen deutlich verbesserten Verlauf hatten, wird derzeit in einer Multicenterstudie auch in Münster untersucht, ob Menschen mit der Erkrankung ebenfalls davon profitieren. Da in entsprechend hohen Dosen aber auch Nierensteine auftreten können, empfahl er das Ergebnis der Studie abzuwarten. Interessant sind Ergebnisse einer kleinen Studie mit Nervenwachstumshormonen (Neurotrophin-3), eine Therapie lässt sich aber auch hieraus derzeit nicht ableiten.

Wichtig ist für Patienten mit HMSN die regelmäßige Krankengymnastik, eventuell auch Ergotherapie. Dr. Schröter berichtete abschließend über die Rehabilitation bei HMSN, die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner hat sich einen bundesweiten Schwerpunkt in der Rehabilitation neuromuskulärer Erkrankungen erarbeitet. Er stellte internationale Studien und eigene Fallberichte zum Effekt der Behandlungen vor.

Die Veranstalter, Referenten und die Teilnehmer der Tagung waren schließlich mit dem Verlauf sehr zufrieden. Es bestand viel Interesse, es flossen viel Informationen, es gab viel und anregenden Austausch auch zwischen den Tagungsteilnehmern.



Der Vortragssaal Dr. Carsten Schröter, Prof. Dr. Peter Young, Priv.-Dozent Dr. Clemens Neusch, Petra Hatzinger

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HMSN

HMSN (hereditäre sensomotorische Neuropathien):

Die hereditären sensomotorischen Neuropathien (HMSN), auch als neurale Muskelatrophien bezeichnet, gehören zu dem Kreis der sogenannten neuromuskulären Erkrankungen, kurz Muskelschwund. Die Erkrankung spielt sich an den Nervenfasern ab, die als Ausläufer der motorischen Nervenzellen im Rückenmark bis zu den Muskeln ziehen oder die Sensibilität (Gefühlsempfinden) von der Haut zum Rückenmark bzw. zum Hirnstamm weiterleiten.

Die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung "Neurale Muskelatrophie" wird auf Johann Hoffmann zurückgeführt. Als Erstbeschreibungen gelten die Arbeiten aus dem Jahre 1886 von Howard Henry Tooth einerseits und Jean-Martin Charcot und Pierre Marie andererseits, weshalb auch von der "Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung" gesprochen wird.

Die wichtigsten Auffälligkeiten sind der Beginn meist in der ersten bis zweiten Lebensdekade, Atrophien und Schwächen der kleinen Fußmuskulatur, der Unterschenkel und der Verlust der Muskeleigenreflexe an den Beinen. Sehr oft werden bei den Patienten Fußdeformitäten festgestellt, Hohlfüße und eine Krallenstellung der Zehen. Auch die Handmuskulatur kann betroffen sein. Schwerere Lähmungen der übrigen Muskulatur kommen nur selten vor. Über 30 verschiedene Formen der Erkrankung können heute unterschieden werden.

Als Selbsthilfeorganisation unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (www.dgm.org) die Patienten.

Weitere Informationen
sind auf den Internet-Seiten der Klinik Hoher Meissner (www.reha-klinik.de und www.h-m-s-n.de) zu erhalten.


 


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