Wicker-Magazin 15. Ausgabe · Januar-Dezember 2009 · www.wicker-magazin.de
Druckversion vom 22.12.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/15/vitalisierende-bodymusic.html
von Michael Pfleger
"Tschacka, Tschacka, Hey, Hey" tönt es kräftig aus der Gymnastikhalle oder über die Wiese. Dazu wird in die Hände einer Nachbarin bzw. eines Nachbarn geklatscht und auf die eigenen Oberschenkel gepatscht. Die Gesichter der Teilnehmerinnen strahlen ein Lächeln aus. "So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr." "Das tut richtig gut." "Fühle mich lebendig."
Seit nunmehr 5 Jahren findet einmal in der Woche in der Wicker-Klinik Bad Wildungen für die PatientInnen der Psychosomatischen Abteilung die "vitalisierende Bodymusic" statt. Rhythmus, Bewegung und Humor sind die Zutaten, die die 15 bis 30 TeilnehmerInnen für eine Stunde in eine andere Welt locken. Die Konzentration auf die Übungen lassen die eigenen Probleme für einen Moment vergessen. Und oft wird die Aktivität mit Glücksgefühlen, Fröhlichkeit und Ausgeglichenheit belohnt.
Die Stunde beginnt mit den Regeln: Fehler machen ist erlaubt! Eine wichtige Vorraussetzung um Neues auszuprobieren. Sich nicht überfordern! Belastungsgrenze wahrnehmen!
Dann geht es direkt in die Begrüßung durch Weitergabe eines Klatschers, durch Anlächeln oder durch ein rhythmisches Lied. Darauf folgt die eigentliche Bodymusic (auch Bodypercussion oder Körperperkussion genannt), wie der oben skizzierte Sumo-Ringer-Tanz. Meist markiert ein Rhythmusspiel im Sitzen eine Art Pause. Eine Übung aus dem Lachyoga oder ein kurzes Abschlussritual beendet die Stunde.
Rückhand-, Hohlhand-, Flachhandklatschen, Schnippen, Schleifen, Fingerspitzentrommeln, Patschen auf Brust, Oberschenkel, Po sind Beispiele für die Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten der Hände. Die Füße "spielen" auf dem Boden, schaffen die Basis für den Rhythmus, geben Orientierung, damit die Gruppe im Beat bleiben kann. Über Rufe, kurze Melodien, rhythmische Impulse wird die Stimme zum Ausdruck der persönlichen - durchaus auch der (wieder entdeckten) kindlichen - Lebensfreude.
Wichtige Erfahrungen, die gemacht werden, sind:
Und nicht selten verbindet das gemeinsam erlebte über diese eine Stunde hinaus, werden die Übungen und der Spaß beim Abendbrot oder am Abend mit anderen geteilt. Vitalisierende Bodymusic zielt also auf die Koordination von Händen, Füßen und Stimme. So entsteht Musikalisches und Tänzerisches, Lustvolles und Humorvolles, Vertraktes und Einfaches, Lautes und Leises, Fließendes und Mitreißendes, Spannendes und Entspanntes, Konzentriertes und Horizonterweiterndes.
Vielleicht sind auch Sie bei einer der nächsten Stunden dabei - ich würde mich freuen.