Wicker-Magazin 15. Ausgabe · Januar-Dezember 2009 · www.wicker-magazin.de
Druckversion vom 22.12.2008
URL: http://www.wicker-magazin.de/15/yoga-in-der-klinik-am-homberg.html
von Antonio Oliveira und Britta Gruhn
Seit knapp einem Jahr bieten wir den Patienten der Abteilung
Psychosomatik/ Psychotherapie Yoga (Hatha-Yoga) an.
Die Gruppenleiter sind Krankengymnastin/ Physiotherapeut und haben
eine Zusatzausbildung als Yoga-Übungsleiter absolviert.
Yoga ist ein sehr altes ganzheitliches Übungssystem, das sich
gleichermaßen auf Körper, Geist und Seele auswirkt.
Hatha-Yoga fußt auf 5 Säulen: Übungen (Asanas), Atmung (Pranayama),
Entspannung, Meditation und Ernährung. In der Yoga-Stunde gehen wir
nur auf die ersten 3 Punkte Übungen, Atmung und Entspannung ein.
Die Yoga-Gruppen sind bewusst auf Anfänger ausgerichtet und
arbeiten mehr körperorientiert als spirituell.
In einer Einführung werden den Teilnehmern die Grundbegriffe und theoretischen Hintergründe des Yoga erläutert und die komplexeren Übungen wie z. B. der Sonnengruß vorgestellt. Bei stärkeren körperlichen Einschränkungen werden Abwandlungsmöglichkeiten gezeigt und ausprobiert, sodass jeder Teilnehmer möglichst viele Übungen mitmachen kann.
In den Übungsstunden (ca. 60-70 min) stimmen wir die Teilnehmer mit einer kurzen Entspannungsphase und Übungen zur Körperwahrnehmung auf die Yoga-Stunde ein, die Atemübungen sind Teil dieser Phase oder schließen sich nahtlos an (ca. 10 min). Die hierbei erlernten Atemtechniken werden während der gesamten Yogastunde bei den verschiedenen Übungen immer wieder eingesetzt.
Dann erfolgt der aktive Teil beginnend mit dem Sonnengruß, eine
dynamische Aufwärmübung bestehend aus 12 aufeinander folgenden
Körperstellungen.
Anschließend werden ca. 10 bis 12 verschiedene Übungen
durchgeführt; hierbei unterscheidet man: Umkehrhaltungen,
Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen, Drehungen und Seitwärtsneigen. Im
Gegensatz zum Sonnengruß ist der Übungsablauf hier nicht dynamisch,
sondern eher statisch. Es wird jeweils eine bestimmte Haltung
eingenommen und entsprechend dem körperlichen Leistungsvermögen
gehalten, je nach Übung max. 1-2 Minuten.
Durch diese Übungen wird der ganze Bewegungsapparat flexibler,
die Muskeln werden gedehnt und gekräftigt. Aber auch das
Organsystem wird durch das Zusammenspiel von Körperhaltung und
Atmung positiv beeinflusst und in seiner Funktion harmonisiert.
Jede Haltung symbolisiert aber auch eine bestimmte geistige Haltung
oder Einstellung, die durch das regelmäßige Üben verstärkt werden.
Dieser Effekt wird durch die Verwendung von Affirmationen während
der Übung unterstützt.
Jede Yoga-Stunde wird mit einer ca. 15-20 minütigen
Tiefenentspannung beendet, in der die ganzen Eindrücke verarbeitet
und gefestigt werden können und der Patient lernt sich willkürlich
zu entspannen.
Anfänglich wurde Yoga zur Therapieergänzung für Schmerzpatienten
angeboten. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde das Therapieangebot
erweitert und die Teilnahme auch für andere Patienten
ermöglicht.
Rückmeldung für die Bezugstherapeuten und Ärzte erfolgt in der
wöchentlichen Therapeutenkonferenz.
Insgesamt ist das Feedback der meisten Teilnehmer sehr positiv,
sodass wir seit September 2008 eine zweite Gruppe starten
konnten.