
von Michael Böttcher
Jede Fortbewegung auf zwei Beinen verlangt ein beachtliches Maß
an Gleichgewichtskunst, denn die Höhe und die Masse des
menschlichen Körpers stehen architektonisch in keinem Verhältnis
zur schmalen, durch die Füße geformten Basis.
Das Gleichgewicht hängt ab vom perfekten Zusammenspiel der Nerven
und Muskeln und ihrer Kontrolle über sämtliche Gelenke und deren
optimale Beweglichkeit. Verändert sich auch nur einen dieser
Kriterien, kommt es zur Anpassung im ganzen System. Es entstehen
Körperfehlhaltungen, die Schmerzen und Krankheiten nach sich ziehen
können.
Diese Veränderungen können unter anderem über die Füße
korrigiert werden, indem man die Fußmuskulatur und damit die
darüber liegenden Gelenke mit ihrer dazugehörigen Muskulatur
veranlasst, wieder symmetrisch zu arbeiten.
Mit Hilfe dieser speziellen Einlagentechnik - der podoätiologischen
Sohle - ist es möglich diese Körperkorrektur zu erreichen. Sowohl
im Kindesalter als auch beim Erwachsenen - je früher um so
besser!
Was passiert z. B. bei einem Knick-Senk-Spreiz-Fuß eigentlich wirklich? Die Fußgewölbe, die normalerweise durch Muskulatur und Bänder aufrecht gehalten werden, erschlaffen und die Gewölbe sinken dadurch ab. Folglich verändert sich die Basis der Auflagefläche unseres Körpers. Bei diesem Absinken eines oder beider Fußgewölbe wird sich ganz automatisch eine Kettenreaktion in den darüber liegenden Gelenken und der Wirbelsäule einstellen, um eine einigermaßen aufrechte Körperhaltung zu gewährleisten. Diese Kettenreaktion wird sich in der betroffenen Muskulatur widerspiegeln und Verspannungen hervor rufen, welche Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Knie- und oder Hüftprobleme oder auch ständig gleich gelagerte Muskelverletzungen z. B. im Sport zur Folge haben.
Aber auch ein ursächliches Knieproblem z. B. eine Meniskusverletzung oder Hüftschmerzen werden im Laufe der Zeit ihr Gangbild und somit die Belastung des Fußes und seine Form verändern. So lassen sich die Fußabdrücke eines Menschen wie eine Karte seines anatomischen Wohlbefindens lesen. In unserer heutigen Medizin geht man immer mehr dazu über, aktive Maßnahmen einzusetzen. Der herkömmliche Gipsverband bei Bänderverletzungen am Sprunggelenk wird heute weitgehend mit Schienen oder funktionellen Verbänden versorgt um einem "Muskelschwund" und einem Einsteifen des Gelenks vorzubeugen. Nach jeder Operation wird sobald als möglich mit aktiver Bewegung und Belastung begonnen, denn Passivität wird unsere Muskulatur zu Inaktivität bringen und unsere Körperhaltung verändern. Durch die Physiotherapie wird der Patient angeleitet sich "neu" zu bewegen. In der Rückenschule wird gelehrt wie man Haltung in verschiedenen Lebensbereichen rückenschonend einsetzen kann.
Das sind Lernprozesse, die ihre Zeit brauchen. Aktive Sohlen können diese Prozesse beschleunigen und automatisieren neue Bewegungen.
In der Podoätiologie vereinen sich verschiedene
Wissensgebiete:
Funktionelle Anatomie, Neurophysiologie, Biomechanik und
Statik.
Alle unsere Bewegungen erfolgen in Muskelkettenreaktionen, sog.
Bewegungsmustern, und enden immer in der Basis unseres Körpers -
und unseren Füßen.
Durch Aktivierung oder Hemmung der jeweilig betroffenen
Muskelketten wird der Körper wieder in ein harmonisches
Gleichgewicht gebracht. Verspannte Muskulatur lockert sich,
erschlaffte Muskulatur gewinnt wieder an Spannung.
Durch den Einsatz der propriozeptiven Sohle, im Alltag oder auch im
Sport, lassen sich im Gehirn manifestierte Körperfehlhaltungen in
wesentlich kürzerer Zeit wieder umprogrammieren, so dass eine
schnellere Optimierung der Körperstatik erreicht wird. Und das, im
wahrsten Sinne des Wortes, "Schritt für Schritt"!

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Aktualisiert am 09.01.2009